Wandern auf der Schwäbischen Alb: Der Wasserfallsteig bei Bad Urach

„Nichts auf der Welt ist so weich

und nachgiebig wie Wasser.

Und doch bezwingt es

das Harte und Starke“

(Laotse)

Vor zehn Jahren trafen meine Freundinnen und ich uns noch zum Tanzen und Feiern in Clubs, wo wir die Nächte zum Tag machten. Inzwischen gehen wir es auch lieber etwas gemütlicher an, wahrscheinlich weil die Regeneration mit Anfang Dreißig deutlich langsamer von statten geht, als in unseren anfänglichen Zwanzigern. Also warum nicht mal gemeinsam wandern. Gesagt, getan, packten wir unsere Männer ein und trafen uns auf der Schwäbischen Alb zu einem entspannten Wochenende. 

Jetzt hieß es nur noch die geeignete Wanderung finden. Unsere Wahl fiel auf den Wasserfallsteig bei Bad Urach. Der Wasserfallsteig wurde bei der jährlich stattfindenden Wahl des Wandermagazins zu Deutschlands schönstem Wanderweg 2016 gewählt. Ob die 10 Kilometer lange Rundwanderung tatsächlich so schön ist, das gilt es nun herauszufinden.

los gehts…
entlang des Brühlbachs
Wandern in High Heels verboten.

Unser Ausgangspunkt ist der große Wanderparkplatz Maisental (P23) am Fuße des Schlossbergs. Von dort führt der Weg gemütlich am Brühlbach entlang in das gleichnamige Tal hinein. Das Wasser plätschert vergnügt vor sich hin und das satte Grün der Natur bietet einen wildromantischen Anblick. Als sich das Grün etwas lichtet, kommt der Uracher Wasserfall in unser Blick.

Der Uracher Wasserfall aus der Ferne

Am Talschluss geht es für uns auf einem ausgebauten und mit Treppen versehenen Naturpfad in Kehren entlang des größten Wasserfalls der Schwäbischen Alb nach oben. 37 Meter fällt hier das Wasser in die Tiefe, um danach noch weitere 50 Meter über ein steil abfallendes moosbewachsenes Kalktuffpolster abzufließen. Die Gicht des Wasserfalls hinterlässt einen feinen, angenehm kühlenden Film auf der Haut. So imposant wie sich der Uracher Wasserfall präsentiert, ist es dennoch etwas schade, dass der Wasserverlauf an der Abbruchkante künstlich zusammengeführt wurde. Ohne diese Zusammenführung wäre der Wasserfall sicher nicht so spektakulär. Ein Foto des Wasserfalls, der zu diesem Zeitpunkt relativ wenig Wasser führte, gelang mir aufgrund einer großen Menschenmenge leider nicht.

steinerne Treppen im Wasserlauf

Oben auf der Hochwiese angekommen erwartet den Wanderer die erste Einkehr. Die Wasserfallhütte bietet eine Auswahl an Getränken und Speisen. Ausreichend Sitzmöglichkeiten sowohl in der Sonne als auch im Schatten warten auf die Gäste. 

Nach einer kurzen Stärkung geht es nun auf einem schmalen, teilweise steinigen Pfad steil den Ameisenbühl hinauf. Oben angekommen erwartet uns eine tolle Sicht auf den gegenüberliegenden Rutschenfelsen. Hangparallel entlang imposanter Kalkabbrüche führt uns nun der Weg zum besagten Rutschenfelsen und beschert uns wunderschöne Blicke ins Maisental und über die umliegenden Hügel.

Blick zum Rutschenfelsen
Blick ins Maisental
Gedenktafel an einem Aussichtspunkt

Nicht weit von hier befindet sich das Naturfreundehaus Rohrauer Hütte. Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen und kehren auch dort ein. In einem liebevoll gestalteten Garten finden wir einen ruhigen Platz und genießen frisch belegte Dinkelseelen. Bei Wein und Bier lässt es sich doch gut plaudern und man fragt sich, was eine Wanderung ohne Einkehr wäre?

Von der Rohrauer Hütte führt uns nun ein breiter Forstweg zum Fohlenhof, welcher zum Marbacher Gestüt gehört. Kleine Fohlen jagen über die grünen Wiesen und toben sich richtig aus. Ein herrlicher Anblick, vor allem für mich als Pferdeliebhaberin. Unser Weg führt nun direkt durch das Gestüt und mündet in einem Natursteinpfad, welcher sich kurvenreich durch den Wald schlängelt. Der Wald ist auch hier saftig grün und verströmt einen aromatischen Duftmix aus feuchter Erde, Laub und Harz. Die Wege sind leicht feucht, so dass an manchen steilen Stellen ein kleines bisschen Vorsicht geboten ist. Dem Weg folgend passieren wir die Kapelle Güterstein und kommen nun zum Gütersteiner Wasserfall, dem zweiten Wasserfall auf unserer Wanderung.

Der Gütersteiner Wasserfall
Farne und Moose

In kleinen Kaskaden fließt hier das Wasser in ein gefasstes Becken. Die Vegetation im Wasserfallgebiet ist sehr üppig. Moose und Farne verleihen dem Ort etwas mystisches und kraftvolles. Der Wasserfall ist, wie der gesamte Wanderweg, sehr gut besucht, dennoch verweilen wir einen kurzen Moment, um dann entlang des Wasserverlaufs hangabwärts zu gehen.

Am Hangfuß angekommen führt uns der Weg durch weite Streuobstflächen entlang des Maisentals zurück zum Parkplatz. Zum Abschluss der Wanderung kehren wir im Maisentalstüble ein, um auf einen gelungenen Wandertag anzustoßen.

idyllisch gelegene Laube
Blick über Streuobstwiesen hinab ins Tal

Der Wasserfallsteig ist ein abwechslungsreicher Wanderweg, der mit seinen Charme durch die vielen Kontraste, die dem Wanderer auf dem Weg begleiten, spielt. So erlebt der Wanderer unter anderem Täler und Hochebenen, Wald und Wiesen und flache und hügelige Wegpassagen. Jedoch war der Wasserfallsteig am Tag der Wanderung absolut überfüllt. Gerade auf den engeren Passagen war dies mühselig, da das Gehen seines eigenen Tempos teilweise kaum möglich war. Ebenso konnte man die Schönheit der Natur, gerade an den Wasserfällen, kaum genießen, da ständig jemand um einen herum gelaufen ist, oder im Bild stand. Ich persönlich bevorzuge die Stille der Natur beim wandern, was mir an diesem Tag nicht möglich war. Somit rate ich, den Wanderweg des Jahres 2016 bevorzugt unter der Woche zu laufen, so dass man die Schönheit und die Stille der Natur in Ruhe auf sich wirken lassen kann.

Informationen zur Wanderung:

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist auch bequem mit dem Zug oder Bus zu erreichen. Die Haltestellen heißen beide „Bad Urach Wasserfall“.

AusgangspunktParkplatz Maisental (P23), Vorderes Maisental, 72574 Bad Urach
Gesamtlänge10,0 Kilometer
ungefähre Dauer3:00 Stunden
Anstiege340m Anstieg, 350m Abstieg
Schwierigkeitsgradmittel
AnforderungGrundsätzlich gut zu gehende Wege. Die feuchten Steine rund um die Wasserfälle könnten etwas rutschig sein.
EinkehrEntlang des Weges kann an der Wasserfallhütte sowie im Naturfreundehaus Rohrauer Hütte (https://rohrauer-huette.de/) eingekehrt werden. Beide Hütten bieten ausreichend Sitzplätze und leckere Speisen und Getränke. Am Ende der Wanderung wartet das Maisentalstüble mit seinem großen Biergarten auf hungrige und durstige Wanderer.

3 Kommentare zu „Wandern auf der Schwäbischen Alb: Der Wasserfallsteig bei Bad Urach

      1. Im Sommer hat es dort eigentlich immer viele Menschen. Frühjahr aber auch im Winter ideal.
        Toll im Winter sind dann die Eisformationen am Wasserfall, allerdings ist der Weg nach oben oft dann gesperrt.

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