Wandern im Schwarzwald: Die Allerheiligen Wasserfälle

„There‘s a natural mystic blowing

through the air. If you listen

carefully now, you will hear.“

(Bob Marley)

 

Der Schwarzwald ist eine Region voller Sagen, Mythen und Kraftorten. Sogar manche Bäume, Felsen, Quellen und Seen sollen magische Kräfte besitzen. Darüber hinaus waren die Menschen im Schwarzwald seit Beginn an sehr gottesfürchtig, was sich an den vielen Kreuzen und Kapellen in der weitläufigen Gegend zeigt. Ursächlich hierfür sind unter anderem die vielen Klöster, welche sich bis heute, wenn teilweise auch nicht mehr in ihrer eigentlichen Funktion, im Schwarzwald befinden. Durch Schaffung neuer Siedlungsflächen vergrößerten sie ihren Einflussbereich und boten zudem immer mehr Menschen Platz für ein Zuhause. Auch das Leben in der rauen Landschaft, sowie die schwere körperliche Arbeit auf dem Land, im Wald oder gar im Bergbau führte dazu, dass sich die Bevölkerung übernatürlichen Mächten hingezogen fühlte.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass man bei seinen Wanderungen durch den Schwarzwald an einem mystischen Ort vorbeikommt. Ein solcher Ort sind die bekannten Allerheiligen Wasserfälle und die Klosterruine Allerheiligen bei Oppenau im nördlichen Schwarzwald.

Die auf ca. 530 Metern hoch gelegenen Allerheiligen-Wasserfälle sind die größten natürlichen Wasserfälle des Nordschwarzwaldes, welche unterhalb der Klosteranlage über sieben Stufen knapp 90 Meter in die Tiefe fallen. Aufgrund der entlegenen Lage, Kloster und Wasserfälle liegen tief im Lierbachtal, entstanden rund um die Klosteranlage mehrere Sagen.

Startpunkt beim Wanderparkplatz

Diesen Sagen waren wir auf der Spur, als wir am Parkplatz in der Nähe der Wasserfälle ankamen. Passend zum mystischen Ort, zeigte sich der Himmel wolkenverhangen. Wir überquerten die Straße und befanden uns nun auf dem Renchtalsteig, der uns zügig zu den Wasserfällen führte. Über Treppen und Brücken führte uns unser Weg bergauf, immer entlang des rauschenden Wasserfalls. Die Schlucht wurde erst im Jahre 1840 begehbar gemacht, davor war sie für Menschen unzugänglich. In der Schlucht begegnet uns auch schon die erste Sage. Die Sage lautet „Ein junger Steinmetz lebte mit einer Zigeunerin in einer Höhle zusammen. Eines Nachts verließ sie ihn heimlich. Aus Gram band er ein Seil an eine Tanne und ließ sich die Steilwand hinunter und meißelte das Antlitz seiner Geliebten in den Felsen. Dann schnitt er das Seil durch und stürzte sich zu Tode.“ Leider ließ unsere Fantasie es nicht zu, wir entdeckten einfach kein in Stein gemeißeltes Antlitz, aber trotz allem strahlte der Ort etwas mystisches aus.

Stufe um Stufe gehts hinauf
Teile des Allerheiligen Wasserfalls

Eine weitere Sage besagt, dass sich ein Junker aus Straßburg in eine hübsche Zigeunerin verliebte. Als Zeichen seiner Liebe schenkte er ihr einen Ring. Unvorsichtig legte sie diesen wertvollen Ring auf einen Felsen in der Schlucht, wo ihn ein Rabe stahl. Um das Schmuckstück zurückzuholen, ließ sich der Junker an einem Seil den Felsen hochziehen, dabei riss das Seil und er stürzte in den Tod. Im Zuge dessen, wollte die Zigeunerin in die Schlucht schauen und umklammerte hierfür einen Baumstamm. Dabei verlor sie die Besinnung und stürzte ebenfalls hinab in die Tiefe. Der Felsen trägt seitdem den Namen Studentenfelsen.

 Kurz nach den Wasserfällen entdeckten wir ein großes, steinernes Denkmal. Hier handelt es sich um das Ehrenmal des Schwarzwaldverein, welches im Jahr 1925 errichtet wurde und somit eher zu den neuzeitlichen Sehenswürdigkeiten entlang des Weges zählt. Das Denkmal wurde zum Gedenken der im ersten Weltkrieg gefallenen und vermissten Mitgliedern des Schwarzwaldvereins gebaut. In der Mitte des Platzes befindet sich eine Figur aus Maintäler Muschelkalk. Die im Sockel befindliche Inschrift „Wir heißen euch hoffen“ soll als eine Mahnung zur Bewahrung des Friedens verstanden werden.

Das Ehrenmal des Schwarzwaldvereins

Unweit des Ehrenmals entdeckten wir rasch die Überreste des Klosters Allerheiligen. Die Abtei geht auf eine Stiftung von Uta von Schauenburg im Jahre 1196 zurück und liegt eingebettet zwischen Bergen und ist umgeben von Bergwiesen und weiten Wälder und erweckt den Eindruck, als würde hier nie die Sonne scheinen (was natürlich nicht stimmt). Über die Jahre hinweg entwickelte sich das Kloster im 13. Jahrhundert zu einer bedeutenden Pilgerstätte. Aufgrund der Säkularisation verließen die Mönche jedoch das Kloster im Jahr 1803. Durch ein Blitzeinschlag kam es zu einem großen Brand am Kloster und das Kloster verfiel zusehends. Außer ein paar Wänden mit gotischen Bögen und einem Turm ist von der ehemals stattlichen Klosteranlage nicht mehr viel übrig.

Teile der Klosterruine
Blick in zur Ruine
Im Innenhof des Klosters Allerheiligen

Durch Erschließung der Wasserfälle wurden Maßnahmen zum Erhalt der Gemäuer eingeleitet. Inzwischen befinden sich auf dem Klostergrund ein Museum, welches die Geschichte des Klosters liebevoll gestaltet dem Besucher näher bringt, eine kleiner Shop sowie ein Gasthaus uns zwei Kurhäuser.

Wir verließen die Klosteranlagen und folgten weiter dem Renchtalsteig. Wir überquerten die Allerheiligenstraße und gelangten nach ca. 300 Metern zu einem Wanderparkplatz und der St. Ursula-Hütte. Ab hier folgten wir der gelben Raute auf einem breiten Weg. Nach weiteren 700 Metern erreichten wir den Wattenstein, einem kleinen Aussichtsfelsen. Von hier geht es weiter zur Engelskanzel. Auch zur Engelskanzel gibt es natürlich eine Sage. Der Sage zufolge wurde ein Mädchen von „wildem Kriegsgesindel“ bis zur Schlucht der Wasserfälle von Allerheiligen verfolgt. Ihre Verfolger rückten immer näher und sie musste sich zwischen Leben und Tod entscheiden. Das Mädchen flehte Gott an und sprang über den Abgrund. Genau in diesem Augenblick trugen Engel das Mädchen sicher über die Schlucht auf dieses Felsenriff und retteten somit ihr Leben. Engel trafen wir an der Engelskanzel keine, jedoch durften wir mit dem Ranger Lukas Schmidt Bekanntschaft machen. Der Ranger war gerade dabei nistende Wanderfalken zu beobachten und ließ uns an seinen Beobachten teilhaben. Durch ein Hightech Fernglas erhaschten wir einen Blick in das Nest der Greifvögel und sogar eine Brutablösung der beiden Elternteile durften wir miterleben. Nebenher erzählte uns der Ranger allerhand über die Falken und beantwortete geduldig unsere Fragen. Vielen Dank dafür, es war wirklich spannend und interessant, was für eine tolle Zufallsbegegnung.

verwitterte Bank am Wegesrand

Von der Engelskanzel folgten wir der Beschilderung zum Parkplatz. Auch auf diesem Abschnitt darf eine weitere Sage natürlich nicht fehlen. Laut der Sage Moospfaff musste ein Geistlicher des Klosters Allerheiligen dem sterbenden Moosbauern die letzte Ölung geben. Unterwegs verlor er in dem unwegsamen Gelände die Hostie und konnte sie nicht mehr finden. Damals wurde er dazu verdammt, nach seinem Tode in der Moos zu geistern. Seither neckt er Wanderer, führt sie in die Irre, schreckt Heidelbeersucher auf und setzt sich übermütigen Menschen auf den Rücken, bis sie fast nicht mehr laufen können. Wir hatten wohl Glück, der Moospfaff war gnädig zu uns und lies uns auf dem Weg zum Auto in Ruhe.

Sagen am Wegesrand

Wer sich für mehr Mythen und Sagen entlang Schwarzwälder Wanderwegen interessiert, dem kann ich den Wanderführer „Mystische Pfade Schwarzwald“ von Annette und Lars Freudenthal, erschienen im Bruckmann Verlag, empfehlen.

 

Informationen zur Tour

 Eine Anfahrt mit dem ÖNPV ist möglich. Es bestehen Busverbindungen ab den Bahnhöfen Oppenau oder Ottenhöfen. Haltestelle Allerheiligen-Wasserfälle.

Mit dem Auto nimmt man auf der A5 die Ausfahrt 54 und folgt der B 28 nach Oppenau. In Oppenau sind die Allerheiligen-Wasserfälle gut ausgeschildert. Der Parkplatz liegt ca. 7 Kilometer außerhalb des Ortes und ist nicht zu übersehen.

AusgangspunktWanderparkplatz Wasserfälle, Allerheiligen Straße, 77728 Oppenau
Gesamtlänge4,7 Kilometer
ungefähre Dauer1:30 Stunden
Anstiegeinsgesamt 180 Meter Aufstieg und 160 Meter Abstieg
Schwierigkeitsgradleicht
Anforderunggut gesicherter Aufgang bei den Wasserfällen, bei Nässe könnte es etwas rutschig werden, ansonsten leicht begehbare Wege
EinkehrIm Klosterhof Allerheiligen kann man täglich einkehren (Allerheiligen 6, 77728 Oppenau). Ansonsten finden sich auf der Wegstrecke keine Möglichkeiten zur Einkehr.

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