„Die Welt ist bunt,
schau sie dir an.“
(Verfasser unbekannt)
Im März ist bei uns die Urlaubssaison offiziell eröffnet. Jedes Jahr locken schöne Destinationen im südlichen Europa. Dieses Jahr zog es uns zum ersten Mal nach Portugal, genauer gesagt an die Atlantikküste. Doch nicht nur die Wahl des Urlaubslandes war eine Premiere, sondern auch die Art des Urlaubs. Es sollte auf Wanderurlaub gehen, jeden Tag in einer anderen Unterkunft schlafen und jeden Tag viele Kilometer Strecke zurück legen.
Für unsere erste Weitwanderung haben wir uns für den Fischerweg, welcher Teil des Weitwanderweges Rota Vicentina ist, entschieden. Schon lange war dies der Traum meines Lebenspartners, nachdem er einen Bericht über den Fishermans Trail und der wunderschönen Küstenregion Portugals gesehen hatte. Für uns bedeutete dies 80 Kilometer portugiesische Küste genießen und dabei einfach mal abzuschalten.
Der Weg
Der Fischerpfad zählt zu den schönsten und abwechslungsreichsten Künstenwanderwegen Europas und hat inzwischen eine Gesamtlänge von insgesamt 226,5 Kilometer. Der Pfad verläuft dabei häufig direkt auf der Felsküste, aber auch auf Sandstränden, in Waldstücken und entlang von Kulturlandschaften. Ursprünglich verlief er in vier Etappen über 75 km entlang mehrerer Fischerdörfer. Inzwischen ist der Wanderweg auf 13 Etappen gewachsen. Wir haben uns für die ursprünglich 4 Etappen (Porto Covo bis Odeceixe) entschieden.
Der Fishermans Trail ist durchgängig mit blau-grünen Schildern und Zeichen an Bäumen und Steinen markiert. Ein Verlaufen ist praktisch nicht möglich. Zusätzlich hatten wir jedoch die GPS-Daten auf der App Komoot dabei und den Rother Wanderführer Rota Vicentina von Dr. Franz Halbartschlager und Gerhard Ruß (2. Auflage).
Der Fischerpfad ist im Grunde ein mittelschwerer Wanderweg. Das Laufen im Sand erfordert etwas Kondition und gelegentlich führt der Weg an ausgesetzten Stellen gleich an der Küste entlang.
Reisezeit
Südwestportugal ist ein ganzjähriges Reiseziel. In den Wintermonaten kann es jedoch mit Temperaturen zwischen 15 Grad und 20 Grad und der frischen Brise am Atlantik etwas kühl auf dem Fischerpfad werden. Im Hochsommer (Juli und August) hingegen sind 40 Grad keine Seltenheit. Die mit Sicherheit schönste Zeit zum wandern ist der Frühling (April und Mai), wenn die Landschaft in voller Blüte steht. Ebenso eignen sich die Monate September und Oktober ebenfalls gut zum wandern.
Wir sind Mitte März gewandert und kamen aus dem Staunen über die Blütenpracht kaum heraus. Morgens waren die Temperaturen noch „frisch“, dies änderte sich jedoch schlagartig, als die Sonne sich im Verlauf des Morgens immer höher schraubte. Die meiste Zeit konnte man daher in kurzer Kleidung wandern. Daher empfiehlt sich eine leichte Wanderhose mit abnehmbaren Beinen.
Anreise
Am besten bietet sich die Anreise über Lissabon an. Vom Flughafen nimmt man dann die Metro oder den Bus zum Busbahnhof Sete Rios. Von dort aus fahren täglich mehrere Busse von Redo-Express nach Porto Covo, wo wir unsere Wanderung begonnen haben. Die Tickets kann man über die Internetseite busbud.com bestellen oder vor Ort erwerben. Wer den gesamten Fischerpfad laufen möchte, kann auch mit dem Flugzeug nach Faro fliegen und von dort mit dem Bus oder Zug nach Lagos fahren, wo der Trilho dos Pescadores endet bzw. beginnt.
Schlafen & Verpflegung
In den Orten entlang des Fischerpfades gibt es günstige Hotels, Appartements sowie Campingplätze. In jeder Ortschaft befinden sich zudem kleine Lebensmittelläden sowie Restaurants, in denen man Verpflegung für den Trail kaufen oder sich nach einem langen Wandertag stärken kann. Wichtig ist, sich ausreichend Wasser zu kaufen, denn auf dem Pfad gibt es keine Möglichkeit an Frischwasser zu kommen.
So genug der Informationen, jetzt werde ich die einzelnen Etappen vorstellen, die wir gegangen sind.
1. Etappe: Porto Covo – Vila Nova de Milfontes
Länge: 19,6 Kilometer
ungefähre Dauer: 7 Stunden
Höhenmeter: 150m Auf- sowie Abstieg
Der Trail startet am Marktplatz von Porto Covo. Hier befindet sich zudem eine kleine Markthalle und man hat die Möglichkeit Verpflegung für die folgenden Kilometern einzukaufen.
Wir folgen dem Pfad durch den wunderschönen Fischerort Porto Covo mit seinen weißen Häusern und den bunten Fenstern in Richtung Meer. Hier folgen wir der Steilküste auf sandigen Wegen. Jeder Anstieg gestaltet sich durch den Sand anstrengender als man es gewohnt ist. Gelegentlich hat man das Gefühl, kaum voranzukommen. Jedoch wird man immer wieder mit atemberaubenden Blicken auf die vielen Buchten belohnt. Zu anfangs zeigte sich das Wetter etwas bewölkt, so dass wir die Ilha do Pessegueiro, einer vorgelagerten Insel mit einem römischen Fort, nicht wirklich sehen konnten. Jedoch konnten wir einem Kilometer weiter die Forte da Ilha, eine Festung auf dem Festland gegenüber der Ilha do Pessegueiro, bestaunen.
Der Weg windet sich weiter entlang der Küste und präsentiert uns eine abwechslungsreiche Vegetation, mit der wir zuerst gar nicht gerechnet haben. Blumen, Buchten, Gesteinsformen, alles zeigt sich so vielseitig, sodass wir gar nicht mit dem Fotografieren aufhören können.
Als sich unser Zielort Vila Nova de Milfontes in der Ferne zeigt, sind die Wolken inzwischen auch komplett verflogen. Strahlender Sonnenschein begleitet uns auf unseren letzten Kilometern der ersten Etappe. Mal sehen, wie unsere Körper morgen auf die vielen Kilometern zu Fuß reagieren?






2. Etappe: Vila Nova de Milfontes – Almograve
Länge: 15,2 Kilometern
ungefähre Dauer: 5 Stunden
Höhenmeter: 140m Aufstieg, 150m Abstieg
Nach einer erholsamen Nacht sind wir schon früh unterwegs, um unsere Wanderverpflegung zu kaufen. Muskelkater oder lahme Beine haben uns erfreulicherweise nicht heimgesucht, so dass wir gut gelaunt die Wanderung beginnen.
Die ersten Kilometer zeigen sich wenig spektakulär, denn der Weg führt entlang einer relativ stark befahrenen Straße. Doch danach zeigt der Fischerpfad wieder, warum er als einer der schönsten Fernwanderwege Europas zählt. Als wir die Straße verlassen, finden wir uns in einem kleinen Waldstück wieder. Korkeichen säumen den schmalen Weg, der uns langsam wieder an die Küste führt. Hier machen wir eine kleine Frühstückspause, ehe diese durch aufziehende Wolken und einem kleinen Regenschauer unterbrochen wird. Wir setzen unseren Weg fort und kommen nun zu einem längeren Abschnitt entlang Feldern und Weiden auf der einen Seite und einem Küstenwald auf der anderen Seite. Das stetige Gehen auf dem breiten Erdweg lässt die Gedanken abschweifen und hat fast schon etwas meditatives. Der Fischerpfad führt uns nun immer wieder zur Küste hin, um danach wieder in Richtung Küstenhinterland zu führen. Aufgrund der Wegführung halten sich die sandigen Abschnitt in Grenzen, was ein zügiges Vorankommen ermöglicht.
Nach ca. Zweidrittel der Tour führt uns der Weg nun endgültig wieder an die Küste zurück. Bald bietet sich uns ein großartiger Ausblick auf die langgezogene Praia do Brejo Largo. Kurz darauf folgt, wie so oft auf der Wanderung, eine bizarre graue Felsküste mit kleinen Sandbuchten. Zum Ende der Wanderung steht uns noch ein beschwerlicherer sandiger Abschnitt bevor, auf dem wir uns immer mehr dem Zielort Almograve nähern. Durch ein kleines Wäldchen führt uns nun der Weg wieder ins Landesinnere, ehe wir auf einer breiten, asphaltierten Straße in Richtung des Ortskerns des kleinen Dörfchens Almograve wandern. Dort angekommen, befreien wir unsere Wanderschuhe vom Sand und gönnen unseren müden Füße eine kleine Pause, ehe wir die Tour mit einem leckeren Eis abschließen.





3. Etappe: Almograve – Zambujeira do Mar
Länge: 21,6 Kilometer
ungefähre Dauer: 6 Stunden 30 Minuten
Höhenmeter: 160m Aufstieg, 170m Abstieg
Heute steht uns unsere längste Etappe bevor. Wir sind nach wie vor erstaunt, wie gut unser Körper mit den „Strapazen“ zurecht kommt. Von Muskelkater und müden Beinen ist weit und breit nichts zu spüren. Nach dem obligatorischen Croissant zum Frühstück (die sind in Portugal echt lecker) und einem Cappuccino beginnen wir unsere Wanderung am Ortsrand von Almograve. Ein schmaler Pfad bringt uns hinter zur Meeresbucht, um uns gleich steil bergan steigen zu lassen. Nachdem wir den sandigen Pfad hinauferklommen sind, erwartet uns ein tolles Panorama hinab auf die Bucht und die Flussmündung des Ouriços. Von dort folgen wir einer breiten Schotterpiste bis zum Lapa das Pombas, einem kleinen Fischerhafen. Entlang der Piste bieten sich weitere tolle Blicke auf das schier unendlich lang wirkende Meer.
Am Fischerhafen angekommen, zweigt links ein schmaler Pfad ab. Von nun an wandern wir ungefähr 6 Kilometer auf Sand, was das Gehtempo merklich verlangsamt. So hat man jedoch umso mehr Zeit, die Flora und Fauna entlang des Weges in sich aufzusaugen und ausgiebig zu fotografieren. Auch markante Steilküsten aus Schiefer und Sandstein beeindrucken mit ihren Formationen. Bei Endrada do Pau haben Küstenschwalben unzählige ihrer Nester in den Sandstein gegraben, was ebenfalls absolut beeindruckend aussieht. Hier biegt der Weg nun ins Landesinnere ab. Die Wegesführung dient zum Schutz der erosionsgefährdeten Küstenlandschaft und führt den Wanderer nun in einen Schatten spendenden Seekiefernwald. Angenehm duftender Kieferngeruch strömt uns in unsere Nase. Die Stille des Waldes bietet eine behagliche Abwechslung zu der sonst so lauten Brandung, welche einem dauerhaft entlang des Weges an der Steilküste begleitet.
Nach kurzer Zeit führt uns der Weg jedoch wieder aus dem Wald heraus, an die Küste zur Praia do Cão. Hier ragen imposante Felszacken aus dem Meer empor. Es wirkt fast so, als würde hier ein Drache im Atlantik liegen. Auch der Leuchturm Cabo Sardão ist in der Ferne zu entdecken. Der Weg führt uns nun durch die kleine Ortschaft Cavaleiro, ehe wir den Leuchtturm erreichen. Störche haben hier ihre Nester kunstvoll an den felsigen Klippen errichtet. Noch sind keine Jungtiere zu sehen, aber die werdenden Eltern brüten bereits fleißig ihren Nachwuchs aus.
Am Leuchtturm angekommen, hat man ca. die Häfte der dritten Etappe geschafft. Von hier führt nun eine breite Erd- bzw. Sandstraße den Wanderer 7 Kilometer bis nach Entrada da Barca. Wie auch in den bereits erwanderten Kilometern bietet der Weg schöne Ausblicke auf eine Landschaft von Felsen und Buchten. Sogar an einem Zistrosenfeld führt der Weg vorbei. Der harzig-würzige Geruch der Zistrosen erfüllt die Luft. Die letzten Meter nach Entrada da Barca gestalten sich für den Fischerpfad ungewohnt schwer. Auf schmalen Treppen geht es steil hinab. Über eine Brücke erreichen wir den kleinen Fischerort.
Von dort führt der Weg 2 Kilometer entlang einer stark befahrenen Straße. Der monotone Weg, welcher schnurgerade führt, erweckt den Eindruck nie enden zu wollen. Da wenig Ablenkung vorhanden ist, merkt man allmählich die schmerzenden Füße. Fast verpassen wir die Abzweigung, die den Weg wieder von der Straße in Richtung Küste lenkt. Nach einem Kilometer wohltuender Abwechslung erreichen wir zufrieden den Ort Zambujeira do Mar, in dem wir für die nächsten anderthalb Tage verweilen werden.











4. Etappe: Zambujeira do Mar – Odeceixe
Länge: 17,6 Kilometer
ungefähre Dauer: 7 Stunden
Höhenmeter: 230m Aufstieg und 250m Abstieg
Nach einem erholsamen Pausentag starten wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge in unseren letzten Wandertag. Zum einen freuen wir uns, nochmal die wunderschöne Pracht des Fischerpfads erleben zu dürfen, andererseits sind wir traurig, dass dies unser letzter Tag auf dem Trail sein wird.
Ein letztes Mal zieht es uns auf die schmalen Pfade entlang Portugals Steilküste. Der steinige und sandige Pfad führt uns durch unzählige Mittagsblumen an der Steilküste weiter. Am Cabo Gorda führt der Weg wieder etwas in Landesinnere hinein in einen Kiefernwald. In diesem verweilen wir nicht lange und schon bald führt uns der Weg wieder in Richtung Küste und den sandigen Wegen.
Nach dem wunderschönen Praia do Carvahal, einem beliebten Sandstrand, führt uns der Weg entlang eines Wildgeheges. Hinter dem Zaun brütet ein Strauß seine immensen Eier aus. Vorsichtig und leise schleichen wir uns vorbei, um dem Vogel nicht zu stören. Schon bald nach dem Gehege gelangen wir erneut an die Küste. Im leichten auf und ab führt uns der Weg durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Zum ersten Mal wird der Weg innerhalb eines kleinen Hains matschig und unsere Wanderschuhe versinken ausnahmsweise nicht im Sand, sondern im Schlamm.
Entlang landwirtschaftlichen Betrieben mit Feldern und Gewächshäuser, weiteren Küstenabschnitten und tollen Felsformationen führt uns der Weg nun in das Dörfchen Azenha do Mar. Über eine steile Holztreppe verlassen wir das kaum touristisch erschlossene Dorf in Richtung Fischerhafen. Bald verwandelt sich der Weg wieder in eine weiche Sandpiste. Auf ca. 3 weiteren Kilometern sinken wir bei jedem Schritt in den feinen Sand ein. Gemütlich gehen wir durch die traumhafte Landschaft und unterhalten uns darüber, was wir in den letzten Tagen alles erlebt haben. Nach der Anstrengung wird man bei Ponta em Branco mit einer spektakulären Sicht auf die Mündung des Seixe-Flusses, der vom Fluss angelagerten Sandbank und dem Ortsteil Odeceixe Praia belohnt.
Steil führt uns ein Weg hinab in Richtung Flusstal. Wir folgen der Straße nun ins Landesinnere. Der Wegabschnitt gestaltet sich leider etwas unspektakulär, da die Landschaft monoton und die Straße von Autos befahren wird. Nach ca. drei Kilometern können wir endlich den Seixe überqueren und befinden uns nun am Endpunkt unserer Wanderung wieder, im noch verschlafenen Ort Odeceixe.










Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wandern auf dem Fischerpfad ein absolut eindrückliches Erlebnis war. Jede einzelne Etappe hatte ihre besonderen Highlights und unterschiedliche Vegetationen. Langeweile kam zum Glück nur selten auf, meistens hatte man immer irgendetwas zu bestaunen. Auf der gesamten Wanderung waren wir natürlich nicht alleine. Unterwegs trafen wir jede Menge „Mitstreiter“, die dem Zauber des Fischerpfades ebenfalls verfallen waren.
Unsere erste Fernwanderung war ein rundum gelungener Erfolg und wir werden sicher die restlichen Etappen des Fischerpfades nachholen. Wenn es soweit ist, werde ich euch darüber berichten.