Wandern in den Vogesen: Von Schirmeck auf den Donon

„Die Ehrfruch vor dem Leben, gibt

der Mensch seinem Dasein einem Wert!“

(Albert Schweitzer)

Der Donon-Gebirgsstock bildet mit seinen 1.009 m Höhe den höchsten Punkt der unteren Vogesen. Da er von weitem sichtbar ist, wurde ihm schon in der Vorgeschichte ein heiliges Wesen zugesprochen. Dies Ruf soll er bis heute nicht verloren haben. Seine Lage abseits der besiedelten Gebiete förderte das Entstehen von Sagen, welche Mythos und Realität miteinander verbinden. Die auf geheimnisvolle Weise bezauberten Römer weihten diesen Ort dem Gott Merkur und unter Napoleon III. wird der Gipfel mit einer gelungenen Nachahmung eines antiken Tempels gekrönt.

Diesen Tempel wollten wir uns mal genauer ansehen und so starteten wir früh morgens unsere Wanderung im sonnigen Schirmeck. Vom Bahnhof aus folgen wir den Wanderweg mit dem blauen Kreuz. Dieser führt uns zügig aus dem, im Breuschtal gelegenen Ort hinaus. Auf der Rue de l‘Ancien Sanatorium passieren wir das Krankenhaus und gelangen nun in den Wald.

Auf geht’s

Auf schmalen Waldpfaden geht es nun stetig bergauf. Die Wege sind teilweise leicht zugewachsen und daher haben Zecken ihre große Freude an unseren nackten Beinen. Gewissenhaft werden die kleinen Parasiten regelmäßig aufgesammelt und weniger liebevoll vernichtet. Nach knapp 4 Kilometern erreichen wir die auf einer Bergwiese idyllisch gelegene Schutzhütte Abri Colbéry. Von hier aus hat man bereits einen tollen Blick auf die bergige Umgebung.

Holzkunst bei der Schutzhütte Abri Colbéry

Von hier führt uns der weiterhin mit einem blauen Kreuz markierte Weg abwechselnd auf Waldpfaden oder breiteren Forstwegen hinauf zum Sattel Col entre les deux Donons. Hier findet man eine weitere kleine Schutzhütte und zu unserem Unmut leider auch einen kleinen Wanderparkplatz. Schlagartig wird es voller, ist es doch von hier nur ein Katzensprung auf den Gipfel des Donon.

Wir nehmen nun den Wanderweg, welcher mit einem roten Strich markiert ist. Hierbei handelt es sich um den Europäischen Fernwanderweg 2 (GR 5). Jedoch biegen wir schon bald auf einen steinigen Serpentinenpfad ab. Auf dem Weg zum Gipfel eröffnen sich uns bereits wundervolle Ausblicke. Kurze Zeit später haben wir das östliche Ende des Donon-Gipfelrückens erreicht. Zu unserer großen Freude haben wir den Gipfel sogar kurzzeitig nur für uns alleine. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Auf der einen Seite bietet der Gipfel Aussicht bis zur Hornisgrinde im Schwarzwald, dem Kniebis und den nahe gelegenen Mutzigfelsen. Auf der anderen Seite des Gipfelrückens, in westlicher Richtung, reicht der Blick bis ins Saartal und dem Belchen.

Highlight auf dem Gipfel ist jedoch der Donon-Tempel. Der zwölfsäulige Tempel wurde 1869 als Museum errichtet. Er sollte gallorömische Fundstücke aufnehmen, die auf dem Berg entdeckt wurden. Jedoch wurden nach dem Deutsch-Französischen Krieg die meisten Fundstücke ins Museum nach Straßburg gebracht.

Das Gipfelhighlight

Langsam füllt es sich auf dem Gipfel und wir lassen es uns mit anderen Wanderer und Mountainbiker in der Sonne gut gehen und frühstücken in Ruhe unter freiem Himmel. Das haben wir uns nach dem langen Aufstieg auch redlich verdient.

Fernsicht
Aussicht genießen

Der Abstieg erfolgt vom westlichen Gipfelrücken auf dem GR 5 hinab zu einem keltischen Ringwall. Hier sind in einer Art Freilichtmuseum einige archäologische Exponate, welche an den Hängen des Donon gefunden wurden, aufgestellt.

Teile des Freilichtmuseum

Auf dem 1866 angelegten Sarazenenweg und der von deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg angelegten Kaisertreppe geht es nun weiter bergab. Das Wegstück stellt sich als durchaus wunderschön dar. Buntsandsteinblöcke liegen im dichten Wald verteilt. Wanderer bauten im Verlauf der Zeit kleine Steinmännchen auf den größeren Steinblöcken, um welche wir uns einen Weg bahnen.

Steinmännchen im Buchenwald

Langsam verlassen wir den Buchenwald und kommen auf einer Teerstraße nun zum Pass Col du Donon. Hier befindet sich noch das aussichtsreiche Restaurant Le Vellada, welches zur Einkehr einlädt. Da wir erst vor kurzem ausgiebig gefrühstückt haben und sich zudem eine Busladung Tagestouristen auf dem Parkplatz entleert, entschließen wir spontan hier doch keine weitere Einkehr einzuplanen. Das Gläschen französicher Wein muss wohl warten.

Ab dem Parkplatz des Restaurants spielte uns unser vorab gespeicherter GPS-Track des Wanderführers von Rother einen Streich. Anstelle den Weg weiter über den GR 5 anzuzeigen, lotsten uns die Daten zu diversen Wanderwegen, an denen es kein Weiterkommen gab und wir mehrfach umkehren konnten. Um Nerven zu sparen, ist hier an dieser Stelle gesagt, dass der Rückweg nach Schirmeck ausschließlich auf dem GR 5 (Rotstrich-Markierung) führt. Hier scheint es über die Jahre ein paar Änderungen der Wege gegeben zu haben.

Auf schmalen Waldpfaden führt der Europäische Fernwanderweg 2 oberhalb von Grandfontaine, über den Ortsrand von Wackenbach zurück nach Schirmeck, wo wir die Wanderung am Bahnhof beenden.

 

Informationen zur Wanderung:

Da die Wanderung auf den Gipfel des Donon sehr beliebt ist, empfiehlt sich ein frühes Starten, damit man den Gipfel und den Tempel fast für sich genießen kann. 

AusgangspunktKostenfreier Parkplatz, Pl. de la Gare, 67130 Schirmeck, Frankreich
Gesamtlänge19,6 Kilometer
Ungefähre Dauer6 Stunden 15 Minuten
Anstiegeje 790 Meter An- und Abstiege
Schwierigkeitsgradmittelschwer
AnforderungGrundsätzlich gut zugehende Wald-, Wurzel- und Felspfade. Vor allem bei Nässe ist Trittsicherheit erforderlich. Eine gewisse Grundkondition ist hilfreich.
EinkehrRestaurant Velleda (4, Col du Donon., 67130 Col Du Donon, Frankreich) sowie weitere Einkehrmöglichkeiten in Schirmeck.

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