Wandern am Kaiserstuhl: Von Riegel entlang der Elz nach Köndringen

„Selbst der stregenste Winter

hat Angst vor dem Frühling.“

(Sprichwort aus Finnland)

Die Sonne entwickelt Mitte März langsam am Strahlkraft und mit ihren Sonnenstrahlen erhellt sie so manches Gemüt: Langsam ist es genug mit der kalten Jahreszeit. Daher nutzen wir jeden sonnigen Tag, um die erwachende Natur zu genießen. Besonders schön ist es, wenn man Wandern mit Historischem verbinden kann. Daher geht es für uns nach Riegel am Kaiserstuhl, auf eine Wanderung entlang der Geschichte der bekannten Biermarke Riegel.

Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof Riegel-Malterdingen. Ehe wir in den eigentlich Ort Riegel gelangen passieren wir eine Waldsiedlung und unterqueren die Autobahn A5. Schon bald haben wir einen ehemaligen Teil der Brauerei Riegel im Blickfeld, in dem sich heute die Kunsthalle Messner und moderne Lofts sowie Penthouse Wohnungen befinden. 1822 begann in Riegel, im heutigen Gadthaus „Zum goldenen Kopf“, die Bierproduktion durch Anton Fuchs. Anton Fuchs verkaufte zwischenzeitlich die Braurechte an Sylvester Meyer, wodurch das Riegeler Bier früher Meyer-Bier hieß. 1838 wurde die Produktion in ein Gebäudekomplex neben dem Rathaus verlegt, welcher bis heute Stammhaus der Brauerei ist. Im Jahr 1875 entstand am Michaelisberg ein Neubau, in den die Bierproduktion verlegt wurde. Jedoch brannte das Gebäude 1991 vollständig ab. Lediglich der alte Keller blieb verschont. Im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, welcher sich äußerlich am historischen Vorgängergebäude orientierte. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte die Brauerei eine Blütezeit, sie war im Großherzogtum Baden die zweitgrößte Brauerei. Erster und Zweiter Weltkrieg sowie die Inflation setzten der Riegeler Brauerei in den 1950-Jahren zu. Nach kurzfristiger Erholung folgte 2003 das endgültige Ende der Brauerei, der Standort Riegel wurde stillgelegt. Jedoch wird die Marke Riegeler Bier weitergeführt.

Die ehemalige Brauerei Riegel

Wir überqueren die Elz und steigen am Parkplatz der Kunsthalle Messner zur Michaeliskapelle hinauf. Ein schmaler Pfad führt uns in spitzen Kehren den Berg hinauf. Oben auf dem Michaelsberg angekommen bietet sich eine tolle Sicht auf die Rheinebene, dem Schwarzwald und den Vogesen. Neben der tollen Sicht kann man auch das Wahrzeichen der Ortschaft Riegel besichtigen. Die Michaeliskapelle wurde im Jahr 969 n. Chr. erstmals in einer Urkunde des Klosters Einsiedeln in der heutigen Schweiz genannt. Im 12. Jahrhundert war die Michaelskapelle die Burgkapelle der Burg Riegel und wurde in die damalige Festung integriert. Nach der Zerstörung der Burg im 14. Jahrhundert entstand im 15. Jahrhunderts das heutige Aussehen der Kapelle mit dem spätgotischen Chor. Im 18. Jahrhundert war der 243 Meter hohe Michaelsberg und seine Kapelle ein beliebter Wallfahrtsort.

Michaelskapelle
Etwas Aussicht

Von der Kapelle fürht unser Weg durch Lösswände und Hohlwege hinab in Richtung Ortskern. Wir passieren ein Wohngebiet in dem die gut gepflegten Gärten bereits in allen Farben strahlen. Da bleibt es nicht aus, dass man des öfteren stehen bleibt, um die ein oder andere Blume oder Blüte zu fotografieren. Wir folgen dem Wanderweg, der durch den Ort und entlang zahlreicher historischer Gebäude mit Bezug zur Brauerei, führt und gelangen zur Kirche St. Martin. Auf den Dächern der barocken Kirche sowie in der Nachbarschaft finden sich zahlreiche Storchennester. Das Geklapper der Störche erfüllt die Luft und man kommt beim Zählen der Nester kaum nach. Ein wirklich imposanter und freudiger Anblick, welcher unser Lächeln im Gesicht noch weiter verstärkt.

Störche wohin man schaut

Wir kommen nun wieder zum Fluss Elz und folgen dem Wanderweg unmittelbar entlang der Bahngleisen der Kaiserstuhlbahn. Nach ca. 500 Metern erreichen wir wieder die Brücke, die wir bereits zu Beginn überquert haben. Wir überqueren sie erneut, um kurz nach der Kreuzung Hauptstraße/Teninger Straße rechts auf einen schmalen Pfad abzubiegen, welcher uns zum Ufer der Elz bringt. Auf einem Damm geht es nun schnurstracks in Richtung Köndringen. Das Schöne an diesem Abschnitt ist, dass die Elz hier renaturiert wurde. Durch die Renaturierung sind wertvolle Biotope und Hochwasserrückhalteräume entstanden. Wir entdecken allerlei Tiere, unter anderem Bisamratten, Reiher, Enten und verschiedene Vogelarten.

Der Frühling naht

Nach 3,5 Kilometern erreichen wir den Ortsrand von Köndringen. Hier führt uns nun der Wanderweg etwas durch den Ort, ehe die Wanderung am Bahnhof endet. Es lohnt sich jedoch, ca. 200 Meter weiter in Richtung Ortsmitte zu gehen. Dort steht die katholische Kirche St. Marien, welche vor mehr als 110 Jahren im gotischen Stil erbaut wurde. Besonders ins Auge sticht der 60 Meter hohe, schön gestaltete Kirchturm. Eine abschließende Einkehr in Köndringen war uns leider nicht gegönnt, da die meisten Gasthöfe dauerhaft geschlossen sind. Die wenigen Verbliebenen hatten entweder noch nicht geöffnet, oder Betriebsferien. Wem eine Einkehr am Ende einer Tour wichtig ist, der sollte die Wanderung in entgegengesetzter Richtung gehen, da in Riegel bessere Möglichkeiten zur Einkehr bestehen.

Informationen zur Wanderung:

Die Anreise erfolgt mit dem Auto über die A5, Abfahrt Riegel. Über die L113 geht es zum Park & Ride Parkplatz Riegel. Ab Freiburg bzw. Offenburg verkehren mehrere Züge stündlich. Der Ausstieg erfolgt an der Haltestelle „Riegel-Malterdingen“.

AusgangspunktBahnhof Riegel-Malterdingen, Bahnhofstraße, 79364 Malterdingen
Gesamtlänge9,1 Kilometer
ungefähre Dauer2 Stunden 30 Minuten
Anstiege100 m bergauf, 80 m bergab
Schwierigkeitleicht
Anforderungeinfach zu gehende Wanderung mit guter Wegemarkierung. Bei Nässe kann der Aufstieg zur Michaeliskapelle etwas rutschig sein. Keine besonderen Kenntnisse erforderlich.
EinkehrIn Riegel bietet sich eine Einkehr im Biergarten der Riegeler Brauerei an. Ebenso finden sich diverse Restaurants oder weitere Biergärten im Ortskern. In Köndringen ist eine Einkehr in der Weinstube Blum möglich.

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