Wandern in der Ortenau: Von Ringsheim über Ettenheim zum Heuberg

Der Herbst ist die Jahreszeit,

in der die Natur die Seite umblättert.“

(Pavel Kosorin,tschechischer Aphoristiker)

Meine Wanderung beginne ich am Bahnhof in Ringsheim bei trübem Wetter. Mein erstes Etappenziel soll die Barockstadt Ettenheim sein. Der Weg führt mich entlang der Alten Hauptstraße und der Hauptstraße in den Ortskern. Es ist früher Mittag und zudem Allerheiligen und der Ort bietet ein ziemlich verschlafenes Bild. Am Gasthaus zum Hirschen überquere ich die Straße. Über die Straßen In der Limbach und Hochzielstraße gelange ich zu einem Spielplatz und einem Tiergehege am Kahlenberg. An der Erzstraße biege ich rechts ab und folge nun der Wegmarkierung mit der gelben Raute in Richtung Ettenheim.

Auf der linken Seite habe ich nun ein Blick auf Ringsheim und in der Ferne kann man den Europa Park mit seinen rasanten Achterbahnen erkennen. Bei klarer Sicht wären hier auch die Vogesen und sogar die bekannte Haut-Kœnigsbourg zu erkennen. Der Weg führt langsam in die Weinberge. Vereinzelt finden sich noch einsame Traubenrispen entlang der abgeernteten Reben. Die Blätter der Pflanzen verfärben sich langsam von grün zu gelb und hüllen den Weinberg in einen gelben Blätterteppich.

Je näher ich dem Ort Ettenheim komme, desto besser wird das Wetter. Als ich einen ersten Blick auf die Stadt werfen kann, finden sich schon vereinzelt blaue Flecken am ansonsten bewölkten Himmel.

es wird Herbst

In guter Hoffnung auf besseres Wetter beginne ich mit dem Abstieg in die Barockstadt. Entlang der Freiburger Straße (K5348) wandere ich in Richtung Zentrum. Ich passiere den prachtvollen Prinzengarten, welcher bereits schon seit dem 17. Jahrhundert existiert und gelange nun in die Altstadt Ettenheims. Verwinkelte Gassen und wunderschöne Fachwerkhäuser prägen hier das Stadtbild und weisen auf die geschichtsreiche Vergangenheit Ettenheims hin.

die Kirche St. Bartholomäus

Über die Friedrichstraße verlasse ich die Altstadt und biege nach einem prächtigen Stadttor rechts in die Neumannstraße ab. Bald zweigt rechts die Kahlenberggasse ab. Bevor die Gasse nach links abknickt, nehme ich die Treppen hinauf in Richtung Friedhof. Respektvoll betrete ich diesen, um einen weiteren Blick auf die imposante Kirche St. Bartholomäus zu haben, welche ich bereits von der Altstadt aus bewundern konnte. Nach meinem kurzen Besuch auf dem Friedhof folge ich der Kahlenberggasse weiter. Mit ca. 2 Kilometern Länge ist die Kahlenberggasse eine der längsten Hohlwege Deutschlands und bietet aufgrund ihrer verschiedenen Kleinklima- und Vegetationszonen vielen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Ich verlasse den Hohlweg jedoch nach ca. 300 Metern und biege rechts ab. Entlang kleiner Gärten gelange ich zur Straße Im Pfaffenbach.

Die Sonne hat inzwischen alle Wolken verdrängt und beschert mir perfektes Wanderwetter. Ich folge der Straße nun ein Weilchen und genieße die Stille und die Sonnenstrahlen, welche mein Gesicht erwärmen. Am Ende der Straße wartet das Weingut A. Bieselin auf mich. Leider hat das Weingut mit stilvoller Sonnenterrasse geschlossen und ich setze meinen Weg durch einen typischen Hohlweg im Löss fort. Mein nächstes Etappenziel ist der Aussichtsturm auf dem Heuberg.

Auf dem 282 Meter hohen Heuberg befindet sich ein 12,5 Meter hoher Aussichtsturm, welcher 1967 erbaut und 1969 fertiggestellt an den Schwarzwaldverein, Ortsgruppe Ettenheim-Herbolzheim, als Geschenk übergeben wurde. Trotz meiner Höhenangst steige ich die 12,5 Meter empor. Die herrliche Sicht über das Rheintal, den Vogesen und den Schwarzwald lassen mein Unbehangen für einen kurzen Moment verfliegen. Auf Infotafeln lese ich, dass sich von hier sogar das Straßburger Münster erkennen lässt. Hierfür reicht die Sicht heute dann doch nicht und so begnüge ich mich mit den Schemen der „Schwarzwaldriesen“ Kandel, Feldberg, Schauinsland und Belchen, welche ich am milchigen Horizont ausfindig machen kann.

Blick vom Heuberg Richtung Schwarzwald

Auf dem Heuberg befindet sich neben dem Aussichtsturm noch die Wandereinkehr „zum Heuberg“. Die Einkehrmöglichkeit kann ich unmöglich ignorieren und so sitze ich bei einem Glas Weinschorle auf einer Bierbank und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Location scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, es herrscht reger Betrieb an der Getränkeausgabe und trotz der großzügigen Bestuhlung ist jeder Platz belegt.

Nachdem ich den Gesprächen der anderen Sonnenanbetern genug gelauscht und mein kaltes Getränke genossen habe, begebe ich mich langsam in Richtung Ringsheim. Hierzu folge ich nun passenderweise dem Breisgauer Weinweg in Richtung Kahlenberg. Der Berg hat eine außergewöhnliche Geschichte. Bis 1968 wurde hier Eisenerz geschürft. Von 1973 bis 2005 diente der Berg als Hausmülldeponie. Inzwischen gilt der Berg als Naherholungsgebiet, welches die Einwohner umliegender Gemeinden oder Wanderern wie mich zum Erkunden, Erholen und Verweilen einlädt.

Blumen entlang des Weges

Ich gelange an einen Wanderparkplatz, an dem ich mich rechts in die Bergwerkstraße halte. An einem kleinen See biege ich links ab. Ein schmaler Weg führt mit einigen Knicken nun leicht bergab, bis ich die Erzstraße erreiche. Zügig gelange ich wieder zum Spielplatz und nehme den mir bekannten Weg zurück in Richtung Bahnhof Ringsheim.

Informationen zur Wanderung:

AusgangspunktP+R Parkplatz Bahnhof Ringsheim/Europa-Park, Ruster Str. 1, 77975 Ringsheim
Gesamtlänge12,5 Kilometer
Ungefähre Dauerca. 3 Stunden
Anstiegeje 240 Meter Auf- und Abstieg
Schwierigkeitsgradleicht bis mittel
Anforderungmeist gut zu gehende, feste Wege. Die Wege sind gut markiert.
EinkehrWeinbar „zum Heuberg“, Heubergstraße, 77955 Ettenheim (https://www.zumheuberg.de/). Ferner finden sich Einkehrmöglichkeiten in den Ortschaften Ringsheim und Ettenheim.

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