Es schien mir sinnlos,
von den Wundern der immer nur zu träumen,
ich wollte sie erleben.
~ Herbert Tichy, österreichischer Bergsteiger ~
Die Gebirgsregion Schweizer Jura liegt im Nordwesten der Schweiz umfasst die Kantone Jura, Neuenburg und Basel-Landschaft sowie Teile der Kantone Bern, Solothurn, Aargau, Waadt und Zürich. Weniger hoch, aber genauso faszinierend wie die, für die Schweiz bekannten majestätischen Alpen, präsentiert sich der Jura seinen Besuchern.
Der Jura bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und ist für uns Freiburger herrlich leicht mit dem Zug zu erreichen. Eine optimale Möglichkeit, unser Wanderradius auszudehnen.
Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof in Olten. Bevor wir jedoch so richtig starten, genießen wir noch frische Gipfeli und einen cremigen Schüümli im Bahnhofsgebäude. Ein wahrer Gaumenschmaus.
Als wir den Bahnhof verlassen, empfängt und ein grauer und wolkenverhangener Himmel. Die Aare, die wir kurz nach dem Verlassen des Bahnhofsgebäudes überqueren, mäandert sich wie ein braunes Band durch den Flusslauf.
Unser Weg führt uns noch etwas entlang von Wohn- und Geschäftshäusern bis wir den Stadtrand Oltens erreichen. Wir betreten den Wald und folgen der gelben Wegmarkierung, die uns die Bergflanke hinauf leitet. Mit jedem weiteren Schritt lassen wir den Stadtlärm hinter uns und tauchen immer tiefer in die Natur ein. Durch eine Scharte im Grat soll uns der schmale Weg zur Rumpelweide bringen. Der Weg ist aufgrund des regenreichen Sommers matschig und wir müssen uns bei jedem Schritt konzentrieren, dass wir keine Bruchlandung hinlegen. Eine völlig verdreckte Wanderkleidung wäre kein Stimmungsbooster. Die Rumpelweide, bei dem es sich um ein kleines Tal handelt, ist hingegen durchaus erhellend. Am ehemaligen Restaurant Rumpelweide wandern wir auf einem breiten Weg das Tal wieder hinauf. Mit jedem zurückgelegten Höhenmeter öffnet sich die Sicht auf den Schweizer Jura und ins Mittelland.


An der nächsten Kreuzung biegen wir rechts in den Militärwäg ab, um diesen bereits nach wenigen Meter links abbiegend zu verlassen. Durch einen Buchenwald führt uns nun ein schmaler Pfad entlang des lang gezogenen Rückens des Hombergs. An der Homberglücke, einem Sattel auf 905 Höhenmetern, überqueren wir den Grat uns steigen in das benachbarte Tal ab. Als wir den Wald verlassen eröffnet sich uns ein Blick über grüne Wiesen und den sanften Hügeln des Jura. Wir wandern über eine Kuhweide und gelangen auf ein geteertes Sträßchen. Sofort fallen einem Warnhinweise mit der Aufschrift „Lebensgefahr“ ins Auge. Die Gegend dient der Armee als Übungsgelände und ist nicht immer für Wanderer freigegeben. Daher heißt es, sich vor einer Wanderung über eventuelle Schießübungen zu informieren.

Das geteerte Sträßchen führt uns am General-Wille-Haus vorbei, welches 1917 als Soldatenhaus gebaut wurde. Inzwischen dient das im Jahr 1950 neu gebaute Gebäude im Sommer dem Schweizer Militär, während es im Winter von einer Sektion des SAC (Schweizer Alpen-Club) bewirtschaftet wird. Auch hier oben hat man eine gute Sicht auf einzelne Höhenzüge des Juras und dem dicht besiedelten Mittelland.

Kurz nach dem General-Wille-Haus biegen wir scharf links ab und wandern weiter in Richtung unseres nächsten Wanderabschnittsziels, dem Belchenflue. Die breite Straße diente im Ersten Weltkrieg dem Militär. Wunderschön gepflegte Wappen und Embleme der involvierten Truppeneinheiten zieren die Feldwände auf dem Weg in Richtung Gipfel.

Nach ca. 3 Kilometern erreichen wir eine Wegkreuzung. Wir halten uns rechts und gelangen über einen steilen Weg, welcher teilweise über Treppenstufen bis hinauf zur Felskanzel des 1.099 Meter hohen Belchenflue führt. Der „Bölche“, wie die Schweizer den Berg liebevoll nennen, liegt auf der Grenze zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn und bietet eine einmalige Aussicht. Im Norden erblickt man die Hügellandschaft des Baselbietes und die Bergketten des Schwarzwalds und der Vogesen. Im Süden erstreckt sich der Blick über das weite Mittelland bis hin zu den Alpen. Im Osten und Westen ziehen sich die schmalen Rücken des Juragebirges dahin. Bei guten Wetter soll man im Osten sogar den Säntis sehen können. Wir haben jedoch weniger Glück mit der Aussicht und können die majestätischen Alpen nur erahnen – schade. Jedoch nutzen wir die Zeit am Gipfel um ausgiebig zu vespern.



Nach unserer Rast gehen wir zurück zur Wegkreuzung und halten uns rechts. Über eine steile Wiese beginnt hier ein idyllischer Abstieg auf einen Sattel.

Dort halten wir uns rechts und biegen sogleich links ab und erreichen einen Waldrand. Für uns geht es in den Wald hinein und nach ca. 2 Kilometern erreichen wir die Höhenklinik Allerheiligenberg. Einst eine Klinik, welche sich zum Ziel setzte auch unbemittelten Menschen eine heilsame Höhenkur zu ermöglichen, dient das Gebäude inzwischen dem Kanton Solothurn als eine Asylunterkunft. Kurz unterhalb der Klinik befindet sich die Schäferstube Allerheiligenberg. Eine tolle Gelegenheit einzukehren. Das Personal ist freundlich, die Preise fair und das Speisenangebot verlockend.
Frisch gestärkt geht es für uns direkt am Restaurant über die Wiese bergab zu einer geteerten Straße. Diese verlassen wir bereits jedoch nach 500 Metern und biegen rechts ab, in ein immer enger werdendes Tal. Der weitere Weg führt uns durch eine der im Jura zahlreichen Klusen (dt. Schluchten) und bringt uns direkt in die Tüfelsschlucht. Doch hier erwartet den Wanderer keine Wanderhölle, sondern sozusagen der Himmel auf Wandererden. Entlang eines Baches durchquert man die Klamm auf gut ausgebauten, teils gesicherten Wegen. Überall gluckert das Wasser und es finden sich Grüntöne in allen Facetten. Es ist mitunter einer der schönsten Abschnitte auf der Wanderung.


Der Ausgang der Tüfelsschlucht befindet sich in Hägendorf, wo unsere Tagestour endet. Im Dorfzentrum genießen wir noch eine weitere Einkehr bei strahlenden Sonnenschein, ehe wir mit dem Zug zurück nach Olten fahren.
Informationen zur Wanderung:
| Ausgangspunkt | Bahnhof Olten, Bahnhofstrasse 22, 4601 Olten, Schweiz |
| Gesamtlänge | 17,1 Kilometer |
| ungefähre Dauer | 6 Stunden |
| Anstiege | 840m bergauf, 790m bergab |
| Schwierigkeitgrad | mittelschwer |
| Anforderung | teilweise schmale und steinige Pfade. Trittsicherheit, gutes Schuhwerk und eine gewisse Grundkondition sind erforderlich. |
| Einkehr | Auf dem Weg ist eine Einkehr in der Schäferstube Allerheiligenberg möglich. Öffnungszeiten beachten, im Winter ist der Bergimbiss z.B. geschlossen. In Hägendorf ist der Vögeli Beck (http://www.voegeli-beck.ch/) mitten im Dorfzentrum zu empfehlen. Auch in Olten lässt es sich entspannt einkehren. Hier finden sich zahlreiche Restaurants und Kneipen. Wir genossen in der Café- und Weinbar Riva guten Wein mit Blick auf die Aare (http://riva-olten.ch/). |