„Wo aber der Wein fehlt,
stirbt der Reiz des Lebens“
(Euripides)
Besuch von Freunden ist immer herrlich, vor allem wenn man diesen mit einer Wanderung verbinden kann und so brachte uns die Bahn bei herrlichem, frühsommerlichen Wetter in das Weindorf Jechtingen, welches im nordwestlichen Ausläufer des Kaiserstuhls gelegen ist.
In Jechtingen angekommen, führt uns der Weg durch das schmucke Dörfchen, entlang des Friedhofs, dem Gasthaus Sonne und der Dorfstraße aus dem Örtchen hinaus, in Richtung Gerhart‘s Strauße. Sobald wir den Ortsrand passiert haben, sind wir umgeben von Getreidefeldern und dem Ziepen und Surren unzähliger fleißiger Insekten.

Wir erreichen die wunderschön gelegene Gerhart‘s Strauße, welche besonders zur Spargelzeit eine herrliche Einkehrmöglichkeit sein soll. Noch ist sie geschlossen, die Terrasse wird für die zahlreich erwarteten Besucher hergerichtet. Wir befinden uns hier inmitten der weitläufigen Weinberge. Der Weg führt ab einer T-Kreuzung leicht bergauf. Zügig erreichen wir einen Waldrand, an dem wir ein eisernes Kreuz aus dem Jahr 1888 entdecken. Vor dem Kreuz befinden sich Bänke, auf denen wir Rast machen. Die Hundedame Thyra, welche uns heute begleitet, braucht bei den warmen Temperaturen eine kleine Trinkpause. Wir tun es ihr gleich und genießen noch etwas das schattige Plätzchen.
Ein ebenfalls schattiger Waldweg, markiert mit einer gelben Raute, bringt uns nun zu unserem nächsten Etappenziel, nämlich die Burg Sponeck. Die Burg wurde nach 1281 auf einem von drei Seiten vom Rhein umgebenen 25 Meter hohen Felssporn errichtet. Dies bot im Falle eines Angriff erhebliche Vorteile, da die Burg nur von Osten angegriffen werden konnte. Erst durch die Rheinbegradigung ab dem Jahr 1840 ist der Fels heute in seiner Gesamtheit von Land umgeben. Von der historischen Burganlage ist nichts erhalten. Die heute noch sichtbaren und zum Teil ruinösen Gebäude sind wie der Turm bauliche Ergänzungen des 19. und 20. Jahrhunderts.


An der Burg Sponeck angekommen lädt uns eine offene Pforte zur Besichtigung des liebevoll gepflegten und gestalteten Gartens ein. Wunderschöne Blumen und heimische Pflanzen strahlen in kräftigen Farben um die Wette.
Nach dem Besuch des Gartens führt uns der Weg entlang der Burg hinab, direkt auf eine Kreuzung zu. Wir halten uns links in Richtung Burkheim. Auf rechter Seite des Weges befinden sich nun die Rheinauen mit ihren Schluten. Nach ca. einem Kilometer führt uns ein schmaler Weg zu einer Treppe hinab und anschließend über einem Steg zu den Fischteichen des Anglervereins Burkheim.

Weiter führt uns der Weg Richtung Burkheimer Badesee. Doch bevor wir zum Badesee gelangen, machen wir noch einen Abstecher hinauf zum Rheindamm. Wir bleiben ca. 2 Kilometer auf dem Rheindamm und passieren dabei einen kleinen Bootshafen. Nach zwei Kilometern sollte uns eigentlich ein kleiner Eisensteg in Richtung Badesee bringen. Jedoch verläuft der Weg darüber direkt auf das Betriebsgelände einer Kiesgrube. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Rheindamm wieder ein Stück retour zu gehen und einen geeigneten Weg mit Ziel Badesee zu finden. Dies ist wieder ein Beispiel, dass man sich nicht immer auf die Wegbeschreibung von Wanderführern und deren .gpx-Daten verlassen darf. Über die Jahre kann es immer zu Änderungen kommen, so dass es wichtig ist, mit wachsamen Augen zu wandern.


Am Badesee angelangt, nutzen wir die Liegewiese für eine weitere Rast. 10 Kilometer sind wir bereits gelaufen und Thyra braucht eine kleine Erholung. Nach dem Genuss von Müsliriegeln und belegten Broten, wird der Weg frisch gestärkt fortgesetzt. Am Wegweiser „Steingrüngrund“ biegen wir links in einen versteckten kleinen Pfad in den artenreichen Urwald Rappennest-Gießen ab. Hier soll es allerhand Wasservögel zu beobachten geben. Diese halten sich heute jedoch gut versteckt, wahrscheinlich schrecken unsere Stimmen und Thyra sie ab.
An der Kläranlage Burkheim endet der schmale Pfad und geht in einen breiten Weg über. Der Burkheimer Künstler Spätbur-Günter hat hier skurrile Figuren ausgestellt, welche er aus Schrott herstellt.

Wir folgen dem Weg und entdecken bald die Ruinen der Burg Burkheim. Die Burg wurde am 13. Januar 1231 erstmals erwähnt. Besitzer waren unter anderem die Markgrafen von Hachberg. Nach Zerstörungen und Wiederaufbauten wurde die Burg zwischen 1672 und 1676 im französisch-holländischen Krieg endgültig zerstört. Von der ehemaligen Burganlage sind Reste des Neubaus und Reste der Wehrmauer erhalten, die im Besitz einer Weinkellerei sind. Ein Besuch lohnt sich.
Unsere Wanderung führt uns nun durch das mittelalterliche Städtchen. Herrliche und gut erhaltene Fachwerkhäuser sowie spätgotische und barocke Gebäude prägen das Stadtbild der unter Denkmalschutz stehenden Stadt. Abgerundet wird das Gesamtbild durch schmale Gassen, Kopfsteinpflaster und einem Ziehbrunnen. Wir kehren in einer der zahlreichen Cafés und Weinstuben ein und genießen ein kühles Gläschen Weißwein.
Am mittelalterlichen Stadttor biegen wir links ab und verlassen langsam Burkheim. Kaum haben wir den Ortsrand passiert, sind wir wieder umgeben von Weinbergen. An einem Aussichtspavillon wartet ein weit schweifender Blick vom Schwarzwald und den höchsten Erhebungen des Kaiserstuhls im Osten bis über den Rhein zu den Vogesen im Westen.


Wir folgen dem breiten Weg durch die Weinberge leicht bergauf bis wir einen Waldrand erreichen. Wir wandern in den Wald hinein und erreichen die Haberberghütte, von wo man wieder einen tollen Ausblick hat. Bei guter Wetterlage und Sicht kann man hier bis zum Straßburger Münster sehen. Da das heute nicht der Fall ist und wir langsam aber sicher Hunger bekommen, führt unser Weg weiter, zurück Richtung Jechtingen. Dort angekommen lassen wir den gelungenen Tag in der Gutsschenke zur Scheune am Ortsrand ausklingen, ehe wir mit dem Zug zurück nach Freiburg fahren. Übrigens: bei der Gutsschenke gibt es einen tollen Stellplatz für Wohnmobile, falls man den Besuch im Kaiserstuhl über ein paar Tage ausdehnen möchte.
Informationen zur Tour:
Mit dem Auto erfolgt die Anreise über die A5 Ausfahrt Riegel. Ab dort folgt man der L113 bis zu einem großen Kreisverkehr in der Nähe des Baggersees Wyhl. Ab hier geht es auf der L104 über Sasbach nach Jechtingen.
Bei einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hat man von Freiburg aus die Möglichkeit über Breisach oder Riegel nach Jechtingen zu kommen. Von Breisach und Endingen verkehrt die Buslinie 102 nach Jechtingen.
| Ausgangspunkt | Bahnhofstraße 12, 79361 Sasbach am Kaiserstuhl |
| Gesamtlänge | 15 Kilometer |
| Ungefähre Dauer | 4 Stunden |
| Anstiege | 200 Meter bergauf und 200 Meter bergab |
| Schwierigkeit | leicht |
| Anforderung | Die Wanderung führt über leichte, teils schattige, teils sonnige, guten markierten Natur- und Asphaltwegen. Aufgrund der Länge ist eine solide Grundkondition vorteilhaft. |
| Einkehr | Gutsschenke zur Scheune, Rossmattenhöfe 1, 79361 Jechtingen (https://www.gutsschenkezurscheune.de/), Gerhart‘s Strauße, Sponeckstr. 102, 79361 Jechtingen (https://www.gerhart-strausse.de/), Wein- und Vesperstube „Zur alten Schmiede“, Mittelstadt 12, 79235 Burkheim (https://www.schmiede-burkheim.de/), heartcafé, Mittelstadt 19, 79235 Burkheim (https://he-artcafe.com/) |