Wandern am Kaiserstuhl: Durch die Rheinauewälder bei Wyhl

„In dir steckt eine unbeschreibliche Kraft,

die dir stets deinen Weg erhellt.“

(Susanne Olma)

 

Ein Feierabendspaziergang am Rhein lässt einem jeden Alltagsstress umgehend hinter sich bringen und schon nach ein paar Metern stellt sich ein Gefühl von Ruhe und Zufriedenheit ein. Träge fließt der Rhein vor sich hin, Schwäne säumen den begradigten Flusslauf und gelegentlich tuckert ein Rheinfrachtschiff vorbei. Noch schöner ist es, den Spaziergang in den Rheinauewald zu verlagern. Der Rheinauewald besticht durch seine artenreiche Einmaligkeit in Europa. Unzählige Vogelarten genießen die Vorzüge des Artenreichtums in den glitzernden Altwasserarmen des Rheins und wir genießen die menschenleeren Wege des Auwalds.

Vom Wanderparkplatz am Mühlbach starten wir an einer Info-Tafel auf einem breiten Fahrweg entlang des Hochwasserdamms. Nach wenigen Metern weist uns ein hölzerner Wegweiser mit der Aufschrift „Naturlehrpfad“ den Weg. Wir gelangen an einen Teich, an dem wir uns links halten. Wir folgen dem immer schmaler werdenden Pfad und fragen uns, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg sind. Da wir jedoch keine Abzweigung oder einen neuen Wegweiser entdeckt haben, halten wir uns auf dem stark zugewucherten Pfad, welcher uns direkt in den idyllischen Rheinauewald hineinführt.

Start unserer Wanderung

Mächtige Stieleichen und Silberpappeln finden sich hier, ebenso eine Vielzahl von Strauch- und Krautschichten. Zeugen einer guten Nährstoffversorgung durch den seit Jahrtausenden angeschwemmten Auwaldbodens. Die Atmosphäre hat Urwaldcharakter. Der Naturlehrpfad versorgt uns auf unserem Weg mit Wegweisern und erklärenden Schildern, so dass wir einen guten Überblick über den Auewald erhalten. Auch an einem Schützengraben, welcher im Jahr 1944 von Frauen und Kinder gegraben wurde, kommen wir vorbei.

Infotafel zum Schützengraben
Idyllische Ausblicke

Der Pfad stößt nun auf den Altrhein, welchen wir nach rechts folgen. Bald kommen wir an eine asphaltierte Straße, auf der wir uns jedoch nur ca. 100 Meter aufhalten müssen, ehe wir bei einer Brücke über den Altrhein ankommen. Vor dieser Brücke befindet sich ein Denkmal zu ehren der Kaiserstühler Auswanderer, welche im Jahr 1842 nach Venezuela überschifften und das Dorf Colonia Tovar gründeten, welches bis heute besteht. 

Wir passieren auf der Brücke den Altrhein, gelangen wieder in das Dickicht des Auwalds und folgen weiter den Wegweisern des Naturlehrpfades. Der schmale Pfad führt uns nun zu einem kleinen hölzernen Steg, welcher uns über einen kleinen Seitenarm des Altrheins zu einem Grillplatz führt. Der Grillplatz ist trotz des tollen Wetters verwaist. Aufgrund der langanhaltenden Hitze besteht seit einigen Tagen die höchste Waldbrandgefahrenstufe, offenes Feuer ist daher strengstens verboten.

Vom Grillplatz aus machen wir einen kleinen Abstecher zum nahegelegenen Rhein. Hierzu biegen wir links auf die asphaltierte Straße ab, die uns zügig zum Rheindamm führt. Auf dem Rheindamm laden Bänke zum Verweilen ein. Wir warten auf eines der großen Frachtkähne, aber nach 10 Minuten Warterei geben wir auf. Kein Schiff bahnt sich sein Weg durch das Gewässer – schade. Unser Weiterweg führt nun wieder zurück zum Grillplatz.

Auf dem Rheindamm

Am Grillplatz angekommen halten wir uns an der Info-Tafel links und folgen erneut dem Naturlehrpfad. Auf diesem Abschnitt führt der Weg auf einigen Holzstegen über Seitenarme des Altrheins und über grundwassergespeiste Gießen. Unter Gießen versteht man glasklare nährstoffarme Fließgewässer, die nur vom Grundwasser gespeist werden. Die Gießen in den Rheinauen zeichnen sich durch eine seltene Symbiose zwischen Tieren und Pflanzen aus, die es in vielen Gebieten Europas nicht mehr gibt. Hier brüten zudem seltene Vögel, wie zum Beispiel der Eisvogel, die Nachtigall und der Pirol. Man merkt, die Schautafeln sind sehr informativ und zudem sehr liebevoll gestaltet, sodass man sich die Darstellungen gerne durchliest. 

Stehe über Arme des Altrheins

Wir folgen dem Naturlehrpfad bis zu einem Fahrweg, auf dem wir nun links haltend Richtung Hochwasserdamm abbiegen. Der Weg führt uns zur Wyhler Mühle. An dieser Stelle wurde 1809 die erste Mühle Wyhls gebaut. Ob es sich heute noch um eine Mühle handelt, lässt sich auf den ersten Blick nicht sagen. Moderne Getreidesilos der ZG Raiffeisen befinden sich auf dem Gelände, welches wir passieren. 

Wir kommen zu einem kleinen Weiher mit einer Insel in der Mitte und biegen rechts ab. Auf einem kleinen Pfad entlang des Mühlbachs gelangen wir bald wieder zum Wanderparkplatz. Entlang des Weges ist Vorsicht geboten, da sich dort das Trainingsgelände eines Bogensportvereins befindet. Unbedingt der Wegbeschreibung folgen, es könnte sonst Lebensgefahr bestehen.

Eine durchaus gelungene und abwechslungs- und lehrreiche kleine Wanderung geht nun am Wanderparkplatz zu Ende.

Informationen zur Wanderung:

AusgangspunktWanderparkplatz in der Rheinstraße, 79369 Wyhl am Kaiserstuhl
Gesamtlänge6,2 Kilometer
ungefähre Dauer2 Stunden 10 Minuten
Anstiegeje 10 Meter An- und Abstieg
Schwierigkeitleicht
AnforderungGut zu gehende Wege. Die Wanderung eignet sich nicht bei Nässe oder nach starken Regenfällen, da der Boden dann sehr schlammig ist.
EinkehrAuf dem Weg keine, jedoch befinden sich im Ortskern von Wyhl einige Gasthöfe, die zur Einkehr einladen.

Hinterlasse einen Kommentar