„Das Meer heilt alle
Leiden des Menschen.“
(Plato)
Mallorca, die größte balearische Insel, bietet für Wanderer und Naturfreunde eine Vielzahl von attraktiven Wanderrouten. Während die Küsten in der Saison überlaufen sind, besticht das Hinterland mit Stille sowie wunderschöne Täler und Schluchten. Nicht zu vergessen, die Gebirgskette der Serra de Tramuntana, welche mit tollen Aussichten auf die beliebte Insel punktet. Genau das Richtige für einen ausgedehnten Wanderurlaub.

Unsere Wanderung beginnt am Bahnhof des malerischen Küstenorts Port de Sóller. Wir halten uns an der Uferstraße und genießen den Blick auf die Bucht und dem noch ruhigen Meer. Am Taxistand der Firma Ràdia Taxi biegen wir links in die Torrent de Sa Figuera ab. Unser Weg führt uns vorbei an kleinen Ladenlokalen bis zu einem Kreisverkehr. Dort halten wir uns leicht links und kommen über die Av. 11 de Mayo an den Plaça dels Reis de Mallorca. Von hier führt die Wanderung über die Carrer de Belgica leicht ansteigend aus dem Küstenort heraus. In einer scharfen Linkskehre verlassen wir die Straße und halten uns geradeaus auf einem schmalen Teerweg.

Der Weg führt uns nun durch einen terrassierten Olivenhain. Schafe und Ziegen dösen im Schatten der knorrigen Bäume. Wir erreichen den unscheinbaren Bergsattel Coll de s‘Illa, welcher jedoch eine geschichtsträchtige Rolle in der Stadtgeschichte von Sóller spielt. Im Jahre 1561 gingen rund 1.700 Piraten unterhalb des Sattels, auf der Landzunge Punta Llarga an Land. Weit kamen sie jedoch nicht, den Bewohnern von Sóller gelang es, die Eindringlinge am Coll de s‘Illa in die Flucht zu schlagen.
Wir folgen der Straße, welche inzwischen in einen gemütlichen Karrenweg übergegangen ist, immer weiter und schon bald sticht uns der markante Felsturm Penyal Bernat ins Auge. Wie ein Zahn ragt die 264 Meter hohe Felszinne in den Himmel empor.


Die Wanderung führt uns weiter bis zur Casa s‘Illeta, von deren Terrasse man einen atemberaubenden Ausblick auf die petita costera (dt. kleine Küste) genießen kann. Ein paar Meter neben der kleinen Finca treffen wir auf ein verschlossenes Metallgatter. Hinweisschilder, dass das Betreten des Grundstücks dahinter verboten ist, sind allgegenwärtig. Rechts neben dem Gatter finden wir ein Weg über eine Steinmauer zu einem Zaun aus Eisenstangen. Allen Verbotsschildern trotzend steigen wir über den Zaun und durchqueren schnellstmöglich das Privatgrundstück. Zu unserer Verteidigung: der Weg wird so im Wanderführer beschrieben.
Durch eine Maueröffnung gelangen wir nun auf einen schmalen Pfad, welcher sich oberhalb der Küste durch einen Wald entlangschlängelt. Immer wieder werden wir von traumhaften Blicken auf das türkisfarbene Meer in kleinen Buchten überrascht. Die Luft riecht angenehm nach dem Harz der Nadelbäume. Es ist eine richtige Wohltat hier zu wandern.

Laut Hinweisschild kommen wir an der kleinen Quelle Font des Freu vorbei, jedoch scheint diese derzeit kaum Wasser zu führen, wir können sie einfach nicht entdecken, auch hören wir kein Plätschern von Wasser. Dies tut unserer Stimmung keinen Abbruch und so folgen wir weiter dem teilweise überwachsenen und ausgesetzten Pfad bis zu einer durch einen Felssturz zerstörten Wegpassage, bei der wir über die Felsen kraxeln. Auf rechter Seite entdecken wir kurz danach eine kleine, sehr schmale Höhle. Ca. 2 Kilometer nachdem wir den Zaun überklettert haben, endet der Weg an einer stark ausgesetzten Passage an einer Felswand. Wanderern mit Klettererfahrung können hier zum Coll de Cala Ferrera weitergehen.

Wir jedoch kehren um und folgen dem gleichen Weg zurück. Wir genießen noch einmal die absolute Stille und das warme Licht in dem kleinen Waldstück, ehe wir wieder zügig über den Eisenzaun klettern und erneut den Blick über die kleine Küste schweifen lassen.

Am Coll de s‘Illa angekommen, biegen wir rechts ab, klettern über eine Steinmauer und folgen den Wegweisern zum Torre Picada. Der Torre Picada ist ein Wach- und Wehrturm nordöstlich der Hafeneinfahrt von Port de Sóller und zählt mit seiner Höhe von rund 11 Metern und fast gleichem Durchmesser zu den größeren Anlagen des inselumspannenden Netzes von historischen Befestigungstürmen, die zum Schutz vor immer wiederkehrenden Piratenangriffen errichtet wurden. Leider kann der Turm nicht bestiegen werden und so kehren wir wieder zum Coll de s‘Illa zurück und folgen dem Weg durch den Olivenhain bergabwärts in Richtung Uferpromenade von Port de Sóller, wo wir im Schatten eines Sonnenschirmes eine kühle Sangria genießen und uns über die schöne Wanderung unterhalten.
Informationen zur Wanderung:
| Ausgangspunkt | Bahnhof Port de Sóller, Carrer de la Marina, 07108 Port de Sóller, Illes Balears, Spanien |
| Gesamtlänge | 10, 6 Kilometer |
| ungefähre Dauer | 3 Stunden 30 Minuten |
| Anstiege | Je 360 Meter Auf- und Abstieg |
| Schwierigkeitsgrad | schwer |
| Anforderung | Bis zur Casa s‘Illeta einfach zu gehende Wege, danach stark ausgesetzte Pfade. Trittsicherheit zwingend erforderlich. Auf ausreichend Sonnenschutz und Getränke achten. |
| Einkehr | In Port de Sóller locken unzählige Restaurants und Bars, welche zur Einkehr einladen. Uns hat es im Restaurant Mar i Sol und in der Bar Albatros (https://albatrosportdesoller.com/) gut gefallen. Beide Lokalitäten liegen direkt an der Promenade mit Sicht auf den Hafen. |