Wandern in den Vogesen: Rund um Hartmannswillerkopf und Molkenrain

„Bäume sind Gedichte,

die die Natur in den Himmel schreibt“

(Khalil Gibran)

Es ist schon fast Tradition, dass wir Ende April/Anfang Mai in den Vogesen wandern gehen. Daher befinden wir uns wieder auf der Routes des Crêtes in Richtung Wanderparkplatz unweit des Mémorial du Hartmannswillerkopf, einer Gedenkstätte, über die gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg. Das imposante Nationaldenkmal ist eigentlich Pflicht bei einem Besuch an dem Abschnitt der Vogesenkammstraße, jedoch machte uns das Wetter am Ende der Wanderung einen gehörigen Schnitt durch die Rechnung.

Am Wanderparkplatz führt uns links ein schmaler Pfad direkt in den Wald hinein, in dem wir steil den Berg hinaufgehen. Nach ca. einem Kilometer kommen wir an eine Wegverzweigung, an der wir die Schützhütte des Skiclubs Cernay auf linker Seite entdecken können. Wir ignorieren die Abzweigung und folgen dem schmalen Pfad weiter gerade aus. Im Tal bei Wattwiller strahlte die Sonne noch in ihrer vollen Kraft. Hier, ca. 650 Höhenmeter weiter oben, umgibt uns dichter Nebel. Die Luft ist klar und duftet nach feuchtem Waldboden, welcher mit Laub und Moos bedeckt ist.

auf schmalen Pfaden entlang des Waldes
Nebel
tierische Begegnung

Nach ca. 300 Metern lichtet sich der Wald und gibt einen Blick auf eine Wiesenfläche frei. Viel Aussicht ist hier nach wie vor nicht zu sehen und so setzen wir unseren Weg in Richtung Ferme-Auberge du Freudstein fort. Langsam zieht sich nun auch der Nebel zurück und gibt den Blick auf den höchsten Berg der Vogesen, den Grand Ballon, frei. Wir entscheiden uns gegen einen Besuch in der gut besuchten Ferme-Auberge, wir sind noch zu sehr gesättigt von unserem Frühstück.

Blick zur Auberge hinab

Ab dem Berggasthof nehmen wir den mit dem roten Dreieck markierten Weg und folgen diesem ca. 1,5 Kilometer lang leicht bergabwärts. Wir gelangen nun zu einer unscheinbaren Verzweigung. Wir verlassen die breite Forststraße und biegen links auf einen schmalen Pfad ab. Der Pfad führt uns durch einen lichten Wald bergauf, bis wir nach ca. einem Kilometer an einem Aussichtsfelsen ankommen. Um die schöne Aussicht genießen zu können, ist leichte Handarbeit gefragt. Oben angekommen erwartet uns eine tolle Aussicht auf die bergige Landschaft der Vogesen und deren Gipfel, unter anderem Rossberg, Ballon d’alsace, Tête du Rouge Gazon und selbstverständlich den Grand Ballon. Bei einem Blick ins Tal findet man die Ferme-Auberge Ostein. Wir nutzen die Aussicht für eine kleine Rast und bekommen Gesellschaft von einem Einheimischen, der mit Freude über die Umgebung berichtet.

Aussicht genießen

Ca. 300 Meter von dem Aussichtspunkt befindet sich, direkt an einer Wegverzweigung, das Camp Turenne (Thomasplatz). Dieser strategisch günstige Ort, diente den Franzosen im ersten Weltkrieg als Logistikstützpunkt. Wir verabschieden uns von unserer französischen Kurzbekanntschaft und setzen unseren Weg auf der breiten Forststraße, Cemin du Camp Turenne (Markierung: blaues Dreieck), fort. Der Abschnitt der Wanderung ist im Vergleich zur restlichen Tour relativ unspektakulär. So freuen wir uns, dass wir nach 1,4 Kilometern links abbiegen können. Der Forstweg verläuft nun leicht bergauf. Nach ca. 500 Metern biegen wir erneut links ab und steigen steil auf einem schmalen Pfad den Berg hinauf. Oben angekommen erwartet uns das Refuge du Molkenrain.

Camp Turenne

Die hölzerne, bewirtschaftete Schutzhütte mit ihrer gemütlichen Terrasse lädt die Besucher zum Verweilen ein. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und bestellen beim sympathischen Betreiberpaar Wein, Bier und Kaffee. Die sprachliche Barriere wissen die Wirte gekonnt zu überwinden: Mit Gesten, ein paar Wörtern Deutsch ihrerseits und etwas Franzöisch unsererseits, stehen die Bestellungen schnell auf dem Tisch. Bei kühlen sowie warmen Getränken und angeregten Gesprächen regenerienen sich unsere Kräfte zunehmends. Inzwischen finden sich auch andere Gäste auf der Terrasse ein. Ein kurzer Blick auf ihre Bestellungen und deren glücklichen Gesichter lässt den Gedanken zu, dass auch die Kuchen im Refuge du Molkenrain ausgezeichnet sein müssen. Wir wären gerne noch ein Weilchen sitzen geblieben, jedoch lässt ein Blick in den Himmel zum Weitergehen aufbrechen.

Zeit zur Einkehr

Der Weg führt uns nun ca. 1,3 Kilometer entlang von Wiesen, der Ferme-Auberge du Molkenrain und der Schutzhütte des Skivereins Cernay zu der Weggablung, die wir bereits vom Anfang unserer Wanderung kennen. Wir biegen rechts auf den uns bekannten Weg ab und gehen zurück zum Auto. Gerade noch rechtzeitig kommen wir am Auto an, ehe es anfängt zu regnen. Ein Besuch des Nationaldenkmals am Hartmannswillerkopf fällt somit buchstäblich ins Wasser.

Informationen zur Wanderung

AusgangspunktWanderparkplatz Vieil Armand, 68700 Wattwiller, Frankreich
Gesamtlänge10 Kilometer
ungefähre Dauer2 Stunden 50 Minuten
Anstiege440 Meter bergauf und bergab
Schwierigkeitsgradmittel
Anforderunginsgesamt gut zu gehende Wege. Wege können etwas steinig sein, daher ist festes Schuhwerk empfehlenswert. An manchen Steigungen ist eine gewisse Grundkondition hilfreich. Nicht geeigent für Kinderwägen.
EinkehrAuf der Wanderung kann man in der Ferme-Auberge du Freundstein sowie Refuge du Molkenrain und Ferme Auberge du Molkenrain (www.molkenrain.fr) einkehren. Nicht direkt auf dem Weg gelegen, jedoch mit einem kleinen Umweg erreichbar, bietet sich auch die Ferme-Auberge Ostein (www. ferme-auberge-ostein.edan.io) zur Einkehr an. Bargeld nicht vergessen.

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