„Die ersten Sonnenstrahlen
sind wie ein Lächeln,
sie wärmen Herz und Seele“
Der kalendarische Frühlingsanfang liegt hinter uns und so langsam zieht der Frühling auch in den Weiten des Oberrheingrabens ein. Die Landschaft wirkt grüner, Krokusse sowie Osterglocken und Hyazinthen leuchten farbenfroh und so mancher Baum zeigt eine volle Blütenpracht.
Die teilweise noch zarten Frühlingsboten vertreiben nun langsam die kalte Jahreszeit, welche Platz für viele Wanderungen in einer lebendig werdenden Landschaft macht. Etwas worauf man sich schon seit ein paar Wochen freut, genug vom nasskalten Wetter und trister Natur. Endlich wieder die Wärme der Sonne auf der Haut spüren und den Geruch von frischem Gras und duftenden Blumen einatmen. Endlich wieder in den Genuss der länger werdenden Tage kommen und unter freiem Himmel bis spät abends einkehren zu können.
Der Wetterbericht jedoch verhieß für unsere anstehende Wanderung nicht Gutes. Wetterwarnung wegen starkem Wind und eine hohe Regenwahrscheinlichkeit sagte die Wetter App am Vorabend unserer Tour voraus. Gut ausgerüstet wie wir inzwischen sind, beschlossen wir dennoch auch bei Regen wandern zu gehen, es sei denn, es regnet Hunde und Katzen. Der nächste Morgen stimmte uns zuversichtlich, der Wind hatte nachgelassen und es war trocken.
Auf jede Wetterlage eingestellt und ausgerüstet ging es für uns mit dem Zug in Richtung Schallstadt, einer Gemeinde südlich von Freiburg. Hier sollte unsere Tour auf dem Markgräfler Wiiwegli beginnen. Bei Markgräfler Wiiwegli handelt es sich um einen 92 Kilometer langen Fernwanderweg, welcher sich durch meist hügelige Weinlandschaften, im Wechsel mit Waldgebieten, Wiesen, Reben und Landwirtschaft westlich des Rheins in Richtung Grenzach-Wyhlen schlängelt. Bereits im Jahr 2021 bin ich einen Teil des erstmals im Jahr 1976 durch den Weiler Schwarzwaldverein erwähnten Weges gewandert (https://daniparkerlifestyle.wordpress.com/2021/10/08/auf-dem-wiiwegli-teilstrecke-schliengen-nach-kleinkems/).

In Schallstadt am Bahnhof angekommen, orientieren wir uns in Richtung Weinberge. Die Reben befinden sich auf dem Batzenberg, einem 4 Kilometer langen, 1,2 Kilometer breiten Bergrücken. Der Batzenberg ist komplett unbewaldet, aber dafür vollständig mit Reben bepflanzt und stellt damit der größte geschlossene Weinberg und die größte geschlossene Gutedellage Deutschlands mit einer Anbaufläche von 376 Hektar dar. Vom Fuße des Batzenberges geht es für uns nun bergan in Richtung Sendemast. Auf dem Weg dorthin bietet sich uns ein toller Blick auf das in der Ferne liegende Freiburg und den Bergen des Schwarzwaldes dahinter.

Auf dem Kamm des Batzenberges angekommen, befinden wir uns nun auf dem Wiiwegli. Auf linker Seite haben wir Sicht auf das Schneckental und dem sich dort befindlichen Weindorf Pfaffenweiler. Zu rechter Hand befindet sich die Rheinebene, bis zu den Vogesen reicht der Blick. Selbst die Haut-Koenigsburg ist in der Ferne zu erahnen. Gemütlich folgen wir dem Wiiwegli durch die Weinberge. Der bis dahin zu meist blaue Himmel verdunkelt sich zusehends. Schon bald spüren wir die ersten Regentropfen in unserem Gesicht. Schnell werden die Regenjacken angezogen, die Rucksäcke in ihre Regenhülle verpackt und welch ein Glück, finden wir gleich kleine Hütte, unter deren Dach wir uns unterstellen können. Keine Sekunde später prasselt ein kräftiger Regenschauer über uns hinweg. So schnell wie der Spuk angefangen hat, hörte er wieder auf. Der Regenguss zog weiter in Richtung Schwarzwald und bot uns einen wunderschönen Blick auf den Ehrenkircher Ortsteil Kirchhofen, den wir später noch durchqueren werden.

Kurze Zeit später erreichen wir den höchsten Punkt des Batzenbergers. Auf 326,8 m ü. NHN gelegen, befindet sich das Reblausdenkmal. Neben dem Denkmal finden wir eine steinerne Platte mit Richtungspfeilen, welche uns einen guten Überblick über die umliegenden Berggipfel sowie Ortschaften gibt. Sogar unseren Endpunkt der Wanderung, den Ort Staufen mit seiner Burgruine, können wir in der Ferne erspähen.

Wir folgen weiter dem Wiiwegli und gelangen nach ca. 2 Kilometern nach Kirchhofen. Fotogen gelegen, schmiegt sich der im Schneckental befindliche Ort vor die Hügeln des Schwarzwalds.

In Kirchhofen verläuft der Fernwanderweg teilweise entlang der Hauptstraße, so dass wir am Ortseingang den originalem Wegverlauf verlassen und durch ein Wohngebiet in Richtung Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt gehen. Am Brunnen des großen Kirchplatzes angekommen, halten wir uns links. Nach ca. 100 Metern erreichen wir das ehemalige Wasserschloss Kirchhofen. Dort biegen wir in die Berggasse ein und folgen dem Weg leicht bergauf. Kurze Zeit später erreichen wir wieder den Wiiwegli, welchem wir rechts abbiegend folgen.
Durch die Weinberge geht es nun weiter in Richtung Ehrenkirchener Ortsteil Ehrenstetten. Wir passieren ein ausgedientes Weinfass, auf welchem künstlerisch ein Trinkspruch aufgemalt wurde.

Von hier führt uns der Weg in den Ort, welchen wir jedoch nach kurzer Zeit schon wieder verlassen. Ebenso verlassen wir den Wiiwegli, um zur wunderschön gelegenen Ölbergkapelle zu kommen. Die Ölbergkapelle wurde 1954, zum Gedenken an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten, erbaut. Im Innern der Kapelle befinden sich Tafeln mit Namen der Gefallenen und Vermissten, welche bei uns ein beklemmendes Gefühl hinterlassen. Schlimm muss es sein, nie erfahren zu haben, was mit seinem Liebsten passiert ist.

Rings um die Kapelle befinden sich Bänke, auf denen man die tolle Sicht in das Hexental, sowie über das Markgräflerland und der Rheinebene bis hin zu den Vogesen genießen kann.
Über eine steile Treppe gelangen wir wieder auf den Wiiwegli. Der bisher breite Weg geht hier in einen schmalen, naturnahen Trampelpfad über, welcher uns talwärts führt. Im Tal angekommen, überqueren wir das Flüsschen Möhlin. Kurz darauf müssen wir die gut befahrene Straße L112 überqueren. An der Straße befindet sich ein kleiner „Hofladen“, in dem über zwei große Automaten frische Eier, Äpfel, Kartoffeln oder andere Leckereien bezogen werden können.
Gemütlichen Schrittes folgen wir dem Wiiwegli weiter und der Himmel verdunkelt sich abermals, jedoch scheinen wir Glück zu haben. Kurz nachdem wir eine kleine Lourdes-Grotte passiert haben, klart der Himmel wieder leicht auf. Die kleine Lourdes-Grotte habe ich übrigens bei meiner zweiten Wanderung bereits kennenlernen dürfen. Auch bald drei Jahre später sieht sie immer noch liebevoll gepflegt aus.

Nach ca. 300 Metern erreichen wir ein altes, jedoch gut erhaltenes Bauernhaus. Kurz vor dem Bauernhaus verlassen wir die Straße und gehen über eine Wiese in den Wald hinein. Der Regen der letzten Tage hat den Bogen aufgeweicht. Teilweise akrobatisch versuchen wir den tiefen Schlammpfützen auszuweichen, mit mehr oder weniger Erfolg. Nach kurzer Zeit weisen unsere Wanderhosen den ein oder anderen Matschfleck aus. In dem Mischwald duftet es nach feuchtem Waldboden und Holz. Bei einem genauen Blick in den Wald hinein, lassen sich amerikanische Roteichen und Douglasien erkennen. Vor allem den Douglasien gefällt das milde Klima, welches im Oberrheingraben herrscht, sehr gut und sie gedeihen hier prächtig.
Als wir den Wald verlassen, verlassen wir auch das Wiiwegli. Über weite Wiesen folgen wir nun dem historischen Bettlerpfad. Der Bettlerpfad führt auf 27 Kilometern von Merzhausen bei Freiburg im Breisgau durch das Hexental und den Norsinger Grund nach Badenweiler im Markgräflerland.
Kurz vor Staufen erreichen wir den Gotthardhof und die zum Hof dazugehörige Sankt Gotthardkapelle, welche sich wie die Ölbergkapelle besichtigen lässt. Früher konnte man auf dem Gotthardhof noch einkehren, jedoch ist die Gaststätte seit 2017 dauerhaft geschlossen.

Der Wanderer wird jedoch nicht verhungern, denn ab dem Gotthardhof befinden wir uns im Endspurt der Wanderung. Keine Steigungen sind mehr zu bewältigen und die Ruine der Staufener Burg wirkt mit jedem weiteren Schritt imposanter.


Eine Besichtigung der Burganlage sparen wir uns für die nächste Etappe des Wiiweglis auf, denn das Wetter zeigt sich gerade wieder von seiner besten Seite und wir wollen die Tour bei einem Glas Wein im schönen Stadtkern der Stadt Staufen abschließen, jedoch lassen wir uns es nicht nehmen, am Fuße der Burg entlang in die Stadt zu laufen. Zufrieden und vor allem trocken, setzen wir uns im Weinbrunnen des Weinguts Peter Landmann nieder und genießen ein kühles Glas Weißwein. Was für ein toller Abschluss.

Informationen zur Wanderung
Am besten lässt sich die Tour mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Hierfür ab Freiburg die Regionalbahn Richtung Basel nehmen und an der Haltestelle Schallstadt aussteigen. Wer mit dem Auto anreisen will, kann nach der Tour von Staufen mit dem Zug zurück nach Schallstadt fahren. Hierzu ist ein Umstieg in Bad Krozingen nötig. Ein Parkplatz befindet sich in Bahnhofsnähe.
| Ausgangspunkt | Bahnhof Schallstadt, Basler Str., 79227 Schallstadt |
| Gesamtlänge | 15 Kilometer |
| ungefähre Dauer | 4 Stunden und 30 Minuten |
| Anstiege | 365 Meter bergauf und 355 Meter bergab |
| Schwierigkeitsgrad | leicht |
| Anforderung | Leichte Streckenwanderung auf markierten Naturwegen und Asphalt durch eine vielseitige Landschaft. Im Sommer teilweise sehr sonnig, auf ausreichend Sonnenschutz ist zu achten. |
| Einkehr | Entlang der Strecke befinden sich direkt keine Einkehrmöglichkeiten. In Staufen bietet die Fußgängerzone eine gute Auswahl an Cafés, Restaurants und Weinstuben. Tipp für Kuchenliebhaber: Café Decker, Hauptstraße 70, 79219 Staufen |