„Lerne von der Geschwindigkeit der Natur:
Ihr Geheimnis heißt Geduld.“
(Ralph Waldo Emerson)
Malpaís bedeutet so viel wie „schlechtes Land“, doch die Beschreibung trügt. In der lebensfeindlichen Lavawüste zwischen Lajares und Corralejo, welche in Folge einer gewaltigen Eruptionsserie des Vulkans Bayuyo entstand, finden Wanderer eine traumhafte Tour.
Mit dem Bus (Linie 8, Corralejo – El Cotillo) geht es für uns Richtung Lajares. Der Bus ist alt und klapprig, aber der Busfahrer bringt uns trotzdem zuverlässig an den östlichen Ortsrand des kleinen Örtchens. Am Fußballstadion biegen wir in die Straße nach Majanicho ein und folgen ihr ca. einem Kilometer, bis wir an eine große Informationstafel kommen.

Schon hier bekommt man einen kleinen Vorgeschmack, auf was uns in den kommenden Kilometern erwartet. Die Sonne knallt bereits jetzt am frühen Morgen unbeeindruckt auf die karge Landschaft im Norden Fuerteventuras und man versteht sofort, warum hier kaum Vegetation vorhanden ist. Den Pflanzen wäre es schlicht zu warm.

Wir folgen dem Weg in Richtung Calderón Hondo, unserem ersten Wanderziel. Der Weg führt uns zunächst genau auf die Montaña Colorada zu. Am Fuße des Berges befindet sich eine Abzweigung, an welcher wir uns rechts halten. Auf diesem Wege umlaufen wir die Montaña. An der Bergflanke erkennen wir kleine Vogelnester, die direkt in den Stein gebaut wurden. Unseren kurzen Halt zum Beobachten der kleinen Vögel ist nicht unentdeckt geblieben. Atlashörnchen nähern sich uns in flinken Bewegungen. Die kleinen Nager kamen in den 1960er-Jahren aus Nordafrika auf die Insel und haben sich mangels natürlicher Fressfeinde schnell verbreitet. Wir knipsen noch ein Foto mit dem Neugierigsten aus der Gruppe und setzen unseren Weg fort.



Schon kurz darauf entdecken wir die rötlich schimmernde, mächtige Kuppe des Calderón Hondo. Ein schmaler, steiler und bei der Sonne schweißtreibender Aufstieg bringt uns an den Kraterrand des spektakulären Vulkans. Oben angekommen finden wir eine Aussichtsplattform, welche einen imposanten Einblick in den Kraterkessel bietet. Zwischen dem dunkelrötlichen Gestein erblicken wir in der Nähe des Kraterrandes gelbliche Schwefelablagerungen. Spannend, so etwas sieht man sonst bloß in Dokumentationen oder auf Fotos. Wir entscheiden uns, den Krater einmal zu umrunden. Hierzu führt ein kleiner, schmaler Weg teils im Krater und teils am Kraterrand um den Vulkan herum. Trittsicherheit ist hier gefragt, ebenso sollte es nicht allzu stark winden. Heute fegt der Wind großzügig über den Krater hinweg und wir müssen uns gelegentlich richtig in den Luftstrom stellen, um nicht hin und her zu schwanken. Bei der Umrundung genießen wir dennoch den wunderschönen Ausblick auf Lanzarote und die kleinen Siedlungen, welche sich an der Küste des Atlantiks reihen.






Am Fuße des Calderón Hondo angekommen, wird es Zeit den Sonnenschutz aufzufrischen. Die Sonne scheint hier gnadenlos auf die Natur und den sich dort befindlichen Lebewesen herab. Schatten ist absolute Fehlanzeige. Auf unsere Pause und dem Herabsetzen des Rucksacks scheinen die Atlashörnchen nur gewartet zu haben. Blitzschnell sind wir von einer Traube aufdringlicher Nager umgeben. Bettelnd umgarnen sie mit ihrem putzigen Aussehen und ihrer zutraulichen Art die Wanderer. Bei uns stoßen sie jedoch auf Granit. Ganz wichtig: Auch wenn die Landschaft noch so karg und trocken ist, bitte füttert keine Atlashörnchen! Auf Fuerteventura gelten die Nager als Schädlinge für die Landwirtschaft sowie als Bedrohung für heimische Tiere und Pflanzen. Durch das Füttern steigt die Population immer weiter an und verstärkt diese Probleme.

Nachdem wir uns aus den Fängen der Atlashörnchen befreit haben, es war dezenter Körpereinsatz notwendig (keins der Tiere wurde verletzt oder getroffen), setzen wir unseren Weg auf dem GR 131 in Richtung Corralejo fort. Auf linker Seite der Piste befinden sich hier inmitten der weiten Lavawüste einfache Gehöfte sog. Cotos Tamboriles. Der Weg auf der staubigen Piste ist wenig spektakulär und wir freuen uns daher umso mehr, als unser nächstes Wanderziel, der 271m hohe Bayuyo in unser Sichtfeld rückt.

Steinmännchen markieren am südlichen Kraterrand die Aufstiegsroute. Mit jedem Meter bergauf öffnet sich die Sicht auf den Vulkan. Oben angekommen, entdecken wir einen runden Vermessungspunkt und wenige Meter nebenan, befindet sich der eigentliche Gipfel des Bayuyo. Von hier oben hat man eine herrliche Sicht auf den ganzen nördlichen Teil Fuerteventuras, mit unserem Zielort Corralejo, den großen Wanderdünen und die kleinen Ortschaften rund um den Berg. Ebenso im Blick hat man die Nachbarinseln Lobos und Lanzarote. Der Wind, der über den Gipfel des Bayuyo kräftig hinweg weht, sorgt kurzfristig für angenehme Kühlung, steht die Sonne inzwischen bereits im Zenit.

Der Abstieg erfolgt auf einem gerölligen, aber gut ausgetretenen Pfad. Hier sind nochmal Trittsicherheit und Aufmerksamkeit gefragt. Auf dem Weg hinab, kann man in den Krater der benachbarten Montaña San Rafael blicken. Auf dem Boden des Kraters scheint es so, als habe die Natur ein Herz in den rauen Untergrund gemalt.

Bald darauf haben wir wieder den GR 131 erreicht und machen uns von da in Richtung Corralejo. Dieser Abschnitt der Wanderung ist weniger schön, da sich an den Straßenrändern teilweise Müll sammelt und der Lärmpegel aufgrund eines Tagebaus für Picón (Lapilli) relativ hoch ist. Daher freuen wir uns umso mehr, als wir den Ferienort Corralejo erreichen. Von dort kann die Tour am Busbahnhof beendet werden. Wir jedoch entscheiden uns für einen Abstecher in die Altstadt und an den Strand. Im Schatten der Terrasse des direkt an der Promenade gelegenen Cafés Cantante belohnen wir uns mit einem großen Glas Sangria und gönnen der Haut ein kleines bisschen Pause von der starken UV-Strahlung. Salud!


Die Wanderung, welche ich im Rother Wanderführer „Fuerteventura“ gefunden habe, war im Großen und Ganzen eine tolle Tour, mit spektakulären Aussichten auf den Kratern der beiden Vulkanen Calderón Hondo und Bayuyo. Lediglich der letzte, zum Glück, kurze Abschnitt der Tour hat aufgrund des Mülls und dem Tagebau mit einem Schönheitsmakel zu kämpfen. Nichtsdestotrotz kann ich die Tour jedem Wanderer auf Fuerteventura nur weiterempfehlen.
| Ausgangspunkt | Haltestelle Campo de Futpol in Lajares, 35650 Provinz Las Palmas, Spanien |
| Gesamtlänge | 12,1 Kilometer |
| ungefähre Dauer | 3:20 Stunden |
| Anstiege | ca. 350m Aufstieg und ca. 400m Abstieg |
| Schwierigkeit | mittel |
| Anforderung | Grundsätzlich gut zu gehende Wege, die Auf- und Abstiege auf die Vulkane sind schmal und teils geröllig (Bayuyo). Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichend Flüssigkeit sind unterwegs ein absolutes Muss. |
| Einkehr | Eine Einkehr ist während der Wanderung nicht möglich. In Corralejo sowie in Lajares locken eine Vielzahl von Cafés, Restaurants und Kneipen. In Lajares ist zum Beispiel das Restaurant La Boqueria an der FV-109 sehr zu empfehlen. In Corralejo kann ich die Pizzeria Peperone in der Calle Iglesia wärmstens ans Herz legen, sofern man im Urlaub mal Lust auf Pizza und nicht die köstliche einheimische Kost hat. |
Eine tolle Tour und ein sehr schöner Bericht. Da sieht es fast so aus wie auf Lanzarote!
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